Das Tracks and the City Läuferinterview – 15 Fragen über Laufgewohnheiten, Laufstrecken, Erfolge und Niederlagen, Motivationstiefs und Vorbilder. Den Auftakt der Laufverrückten macht Markus Franz aus Geroldsgrün im Frankenwald.

Jeder Läufer und jede Läuferin ist anders. Der eine sammelt die großen Marathons in den Metropolen, die andere zieht es auf die Trails in der Natur. Es gibt Läufer, die nur in Laufgruppen unterwegs sind und andere, die am liebsten ohne Gesellschaft laufen. Kurz und schnell, lang und langsam, Höhenmeter oder Streckenkilometer, mit Heavy Metal im Ohr oder dem Zwitschern der Waldvögel: mit dieser Interviewserie möchte ich die verschiedensten Arten von Läuferinnen und Läufern präsentieren. Was treibt sie an? Wie holen sie sich aus Motivationstiefs heraus und was ist ihre ganz besondere Beziehung zum Laufen? Weil ich es spannend finde und weil ich denke, dass man nie genug übers Laufen reden und schreiben kann. Insofern: laufen wir los!

Der Sonnenaufgängläufer aus dem Frankenwald

Bei meinen Freundin bin ich „die, die zum Sonnenaufgang wach ist“ – und wahrscheinlich dazu noch ihre Morgenrunde läuft. Weiter unten in Deutschland, im wunderschönen Frankenwald, gibt es da aber noch einen, der deutlich mehr Sonnenaufgänge laufend erlebt als ich. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht Facebook oder Instagram öffne, und neidvoll lesen muss, dass Markus zu selbst mir unvorstellbaren Zeiten wieder Kilometer über Kilometer abgerissen hat. Der gebürtige Frankenwäldler lebt in Geroldsgrün, arbeitet in Kronach und ist (im denkbar positivsten Sinne!) bekloppt, was nur logisch ist, schließlich ist er Mitglied der Crazy Runners Frankenwald. Was es mit seiner „crazyness“ so auf sich hat und wie sich ein Ultraläufer aus dem Motivationstief holt, erzählt er mit seinen eigenen Worten. Viel Spaß mit dem ersten Läuferinterview!

15 Fragen, 15 Antworten

1. WARUM HAST DU MIT DEM LAUFEN ANGEFANGEN?

Ich bin ja eigentlich ein studierter Sportler, habe aber beruflich- und familiärbedingt aufgehört, tüchtig Sport zu treiben. Als 2014 mein Köpergewicht bei 1,70cm Größe an der 90kg-Marke schrammte, fiel der Entschluss wieder sportlich aktiv zu werden. Ich bin damals auch einiges gewandert, habe dann aber konsequent mit dem Laufen angefangen, mit den berühmten Läuferzielen im Jahr 1 einen Halbmarathon zu schaffen und im Jahr darauf dann einen Marathon. Gesagt getan, danach kamen die Ultras.

2. DEIN BISHER GRÖSSTER LAUFERFOLG?

2016 das Finish beim TransAlpine Run mit knapp 250 Kilometern in 7 Tagen und mit über 15.000 Höhenmetern.

3. WO LÄUFST DU AM LIEBSTEN?

Fürs Training einfach vor der Haustür und dann ab auf die Trails des Frankenwaldes, am liebsten auf den „FrankenwaldSteigla“ oder „auf Jägersteigen“ … wenn es an Wettkämpfe geht, sind schon die Angebote in den Alpen sehr reizvoll, da dort das Panorama mega beeindruckend ist.

4. WAS FÜR EINE ART LÄUFER BIST DU?

Ich bin ein ambitionierter Freizeit-Läufer, weil ich laufe wann ich Lust dazu habe, aber im Hinterkopf das Ziel bei Laufevents jenseits der Halbmarathon- bis zur Ultramarathon-Distanz dabei zu sein. Platzierung spielt bei mir keine Rolle, dabei sein, durchkommen und Spaß haben ist das Wichtigste.

5. WELCHEN LAUF MÖCHTEST DU UNBEDINGT MAL LAUFEN?

Das ist gar nicht so einfach, es gibt so viele schöne Läufe, die es zu entdecken gibt. Nachdem ich witterungsbedingt sowohl im Ötztal als auch im Stubaital in den letzten Jahren nie auf die eigentlich geplante Gletscherroute laufen konnte, wäre es schon mal im wahrsten Sinne des Wortes „cool“ einen Gletscher-Run machen zu können.

6. DEIN NÄCHSTES SPORTLICHES ZIEL?

Nach einigen Verletzungen und Wehwehchen muss ich in diesem Jahr erst wieder in Tritt kommen und plane für 2019 ganz spontan die nächsten Läufe ohne spezielle Ziele. Für das kommende Jahr möchte mich schon wieder an die Marathondistanzen oder vielleicht auch den ein oder anderen „kleinen“ Ultramarathon mit ein paar tausend Höhenmetern heranwagen. Mal sehen, was 2020 alles so läuft.

7. HAST DU MOTIVATIONSTIEFS UND WIE ÜBERWINDEST DU SIE?

Da ich mir keinen Trainingsstress mache, können die Laufschuhe auch mal ein paar Tage im Schrank stehen bleiben ohne dass ich gleich ein schlechtes Gewissen bekomme. Aber die wunderbare Natur und das tolle Gefühl beim Laufen sind momentan genug Motivation ,um einige Tiefs durchzustehen.

8. DU KANNST EIN HALBES JAHR LANG NICHT LAUFEN  – WAS TUST DU?

Das habe ich gerade hinter mir … da hieß es Füße still halten – was natürlich nicht immer geklappt hat – aber immer weiter andauernde Beschwerden haben dann doch die Ruhe erzwungen. Daher aussitzen und sich an den ersten schmerzfreien Kilometern umso mehr freuen.

9. DEIN EMOTIONALSTER MOMENT BEI EINEM LAUF?

Der Zieleinlauf nach 7 Tagen laufen beim Transalpine Run war sehr emotional. Auf der einen Seite war ich megafroh, ihn als Finisher erfolgreich geschafft zu haben, auf der anderen Seite war ich traurig (und es war auch ungewohnt), dass wir am nächsten Tag einfach nicht mehr weiter laufen konnten.

„Crazy Runner“ Markus Franz. Foto: M. Franz.

10. WALDBODEN ODER STRAßE?

Waldboden, Trails sind mein Leben!

11. GROßE ODER KLEINE LAUFVERANSTALTUNGEN?

Sowohl als auch, bei großen ist die Stimmung und das Rennfeeling besonders, die kleineren Läufe sind dengegenüber putzig und mit viel persönlichem Engagement gemacht

12. MUSIK IM OHR ODER OHNE?

Ohne! ich will meinen Atem und meine Schritte hören, die Geräusche der Natur ebenso.

13. ANDERE LÄUFER GRÜßEN ODER NICHT?

Klaro, immer, bin doch ein höflicher Mensch

14. LAUFGRUPPE ODER SOLO?

Da ich meist früh um 4 oder 5 Uhr meine Runden drehe, bleibt für mich nur der Solo-Lauf, da um die Zeit keine Laufgruppe zusammenkommen wird.

15. DEIN SPORTLICHES VORBILD?

Hmmm … eigentlich gibt’s da zwei: Kilian Jornet ist als Trailrunner schon eine Institution, zu der man aufschaut, zumal er – ebenso wie ich vor zwei Jahren – mal mit einer während des Rennens gebrochenen Schulter die Strecke zu Ende gelaufen ist. Als Sportlerin allgemein steht die Biathletin Laura Dahlmeier bei mir ganz hoch im Kurs, zumal sie jetzt ja auch einige Trailrunning Events sehr erfolgreich bestritten hat.

Vielen Dank an Markus für das Interview und die Fotos (alle Fotos: Credit Markus Franz).

Mehr über Markus Laufabenteuer erfährst du auf seinem Facebook-Account und seinem Instagram-Profil.

Laufverrückte Interviewpartner(innen) gesucht!

Du läufst (manchmal, immer, immer wieder) gern und sprichst auch gerne darüber? Prima, dann solltest du unbedingt Teil meiner Laufinterview-Reihe werden! Schreib mir gern ein paar Zeilen warum du von mir interviewt werden möchtest.