lavaredo ultra trail
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Läuferinterview mit Autor Adharanand Finn

Adharanand Finn ist Redakteur bei The Guardian und leidenschaftlicher Läufer. Wenn er nicht gerade als Journalist arbeitet oder in Laufschuhen unterwegs ist, schreibt er Bücher – natürlich über das Laufen. Nach  „Running with the Kenyans“ (deutsch: Im Land des Laufens) und „The Way of the Runner: A journey into the fabled world of Japanese running“ hat er nun sein drittes Buch herausgebracht, in dem er tief in die Welt der Ultraläufe eintaucht: „Der Aufstieg der Ultraläufer“. Im Läuferinterview verrät Adharanand Finn, wie er zum Laufen kam, wo er beim Laufen an seine Grenzen geriet und wie er mit Motivationstiefs umgeht.

10 Fragen an Adharanand Finn

1. WARUM HAST DU MIT DEM LAUFEN ANGEFANGEN?

Ich war 11 und die ganze Schule musste an einem Cross Country Race mitmachen. Ich habe gewonnen und mir gedacht: das macht Spaß! Seitdem laufe ich, mit kleinen Unterbrechungen, durchgehend.

2. DEIN BISHER GRÖSSTER LAUFERFOLG?

Wahrscheinlich, 10 Kilometer in 34 Minuten zu laufen.  Oder, dass ich den UTMB gefinisht habe – auch wenn ich wirklich lange dafür gebraucht habe! Das ist ein sehr schwieriges Rennen und ich war einige Mal sehr kurz davor, aufzugeben. 

3. WO LÄUFST DU AM LIEBSTEN?

In Iten in Kenia. An einem Dienstagmorgen drehen hier manchmal bis zu 500 Athleten ihre Runden, jeder von ihnen ein außergewöhnlicher Läufer. Das kann einen ganz schön einschüchtern, aber sie sind einfach so nett. Du trainierst neben ihnen und sie sagen „gut gemacht“ zu dir, ganz egal wie langsam du bist.

4. WAS FÜR EINE ART LÄUFER BIST DU?

Ich bin ein Allround-Läufer. Ich mag kurze Straßenläufe (5 und 10 Kilometer), aber auch lange Ultratrails. Manchmal laufe ich gerne sehr schnell und verfolge eine neue Bestzeit und manchmal liebe ich es, langsam zu laufen ohne dabei auf die Zeit zu achten. 

5. WELCHEN LAUF MÖCHTEST DU UNBEDINGT MAL LAUFEN?

Sehr gerne würde ich das Zegama Race in Spanien einmal laufen – das muss fantastisch sein. Die Major Marathons, die ich bisher nicht gelaufen bin, stehen auch auf meiner Liste  Berlin, Tokio, Chicago and Boston.

laufen mit kenianern
Foto: Mariettad’Erlanger

6. DEIN NÄCHSTES SPORTLICHES ZIEL?

Gaoligong by UTMB – ein Ultratail in China im März 2020. Ich bin mir noch unsicher, ob ich die 55- oder die 120-Kilometer-Distanz laufen soll.

7. HAST DU MOTIVATIONSTIEFS UND WIE ÜBERWINDEST DU SIE?

Manchmal. Meist hilft es mir, da rauszukommen, in dem ich mich für ein Rennen anmelde.  Wenn ich mich nur schwer zu einem bestimmten Trainingslauf aufraffen kann, vor allem wenn er früh am Morgen ist und ich noch im warmen Bett liege, erinnere ich mich daran, wie glücklich ich immer nach einem Lauf bin – und sage mir selbst, dass es sich jedes Mal lohnt, aufzustehen und laufen zu gehen . 

8. DU KANNST EIN HALBES JAHR LANG NICHT LAUFEN  – WAS TUST DU?

Surfen lernen – Ich lebe am Meer.

9. ERLEBNISSE BEIM LAUFEN

Einer der Momente, an die ich mich am liebsten erinnere, ist als ich ein 10-Kilometer-Rennen gewann, bei dem meine Kinder als Zuschauer dabei waren. Als ich über die Ziellinie lief, sind sie mir entgegen gerannt und haben mich umarmt – und ich habe mich so gefühlt, als hätte ich gerade die Olympiade gewonnen.

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war ein Cross-Country Lauf auf sehr, sehr hohem Niveau in Eldoret in Kenia, bei dem ich mittendrin aufgehört habe, weil ich einfach so weit hinter allen anderen war. Der Start war unglaublich schnell. Selbst Martin Lel, der kürzlich zum dritten Mal den London Marathon gewonnen hat, erreichte bei diesem Lauf nur den 33. Platz – so hoch war das Level dort.

Die Nummer war deutlich zu groß für mich, aber es war ein unglaubliches Erlebnis, so nah dabei zu sein und die unglaubliche Stärke der kenianischen Läufer zu spüren.

Bei Ultraläufen gibt es so viele berührende Momente. Bei meinen zehn Ultra-Marathons habe ich sehr viel geweint.

10. EIN LAUF, DER ZIEMLICH SCHIEF  GING

Die meisten Ultramarathons, die ich gelaufen bin, waren sehr, sehr viel härter als ich das geplant hatte. Einmal war ich auf dem Gipfel eines Bergs und habe einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachtet. Das Problem war nur, dass ich eigentlich vorhatte, zu dieser Uhrzeit schon längst im Ziel eingelaufen zu sein. Ich wusste, dass der Zieleinlauf an einem Strand war, und als ich da auf dem Berg stand und um mich herum geschaut habe, sah das Meer extrem weit davon entfernt aus. Und das bedeutete für mich, dass ich eine weitere Nacht ohne Ruhepause laufen musste. Es war ein seltsamer Moment, gleichzeitig so schön wie auch furchterregend. In dieser Nacht hatte ich im Wald ziemlich heftige Halluzinationen – ich habe überall Cocktailparties gesehen – bevor ich es endlich gegen 2 Uhr früh zur Ziellinie am Strand geschafft habe.

Speedtraining – 5 schnelle Fragen

autor Adharanand Finn
Foto: ©Marietta d’Erlanger

WALDBODEN ODER STRAßE?

Waldboden!

GROßE ODER KLEINE LAUFVERANSTALTUNGEN?

Ich liebe beide.

MUSIK IM OHR ODER OHNE?

Definitiv ohne!

ANDERE LÄUFER GRÜßEN ODER NICHT?

Nomalerweise ja. Außer wenn ich gerade sehr schnell laufe.

DEIN SPORTLICHES VORBILD?

Als Kind war Steve Cram mein großes Vorbild.

Der Aufstieg der Ultraläufer

In seinem Buch „Der Aufstieg der Ultra-Läufer – Eine Erkundungsreise an die Grenze der menschlichen Ausdauerleistung“ geht der Autor und Guardian-Journalist Adharanand Finn der faszinierenden Welt der Ultramarathons nach. Selbst ein Läufer, ergründet der Autor die Wesenszüge dieser Ausnahmesportler, voller Kraft, Motivation und Ausdauer. Schmerzen, Strapazen, und Halluzinationen sind genauso normal wie fast schon überirdisch wirkende Leistungen, euphorische und tranceartige Geisteszustände.

Eine spannende Reise von der Wüste Omans über die Rocky Mountains bis hin zum legendären 170km langen „UTMB“, dem Ultra-Trail du Mont-Blanc. Ein Buch nicht nur für Läufer und solche, die es werden wollen sondern für alle, die wissen wollen, was Menschen zu Höchstleistungen antreibt und wie man gerade dann Motivation erhält, wenn alles verloren erscheint.

der aufstieg der ultra läufer
©Egoth Verlag

Der Aufstieg der Ultra-Läufer – Eine Erkundungsreise an die Grenze der menschlichen Ausdauerleistung
Gebundene Ausgabe: 398 Seiten; Verlag: EGOTH-Verlag

Laufverrückte Interviewpartner(innen) gesucht!

Du läufst (manchmal, immer, immer wieder) gern und sprichst auch gerne darüber? Prima, dann solltest du unbedingt Teil meiner Laufinterview-Reihe werden! Schreib mir gern ein paar Zeilen warum du von mir interviewt werden möchtest.

Vielen Dank an Adharanand Finn für das Interview und die Fotos (Fotocredit Titelbild: ©CANOFOTOSPORTS)

Mehr über Adharanand Finn Laufabenteuer erfährst du auf seinem Instagram-Profil.

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