Die georgische Küche überrascht mit ihrer Vielseitigkeit und einer gar nicht mal so kleinen Auswahl an vegetarischen Gerichten. In der georgischen Hauptstadt Tiflis bzw. Tbilisi hast du viele Möglichkeiten, traditionelle georgische Klassiker zu probieren – die entweder von Haus aus vegetarisch sind oder in einer vegetarischen Variante angeboten werden.

Tiflis ist ein Paradies für Foodies, denn allein in der Altstadt befinden sich etliche von so genannten Cafés (die aber meist Restaurants sind), Tavernen und Imbisse – für fast jeden Geldbeutel und jede kulinarische Präferenz.

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Pkhali – gemischte Vorspeisenplatte aus Georgien

Was die Küche Georgiens zudem auszeichnet, ist die großzügige Verwendung von frischen Kräutern in der typischen Landesküche. Sich in drei Tagen in Tiflis durch die kulinarische Vielfalt Georgiens zu essen, ist unmöglich. Das Land hat einfach viel zu viel an Köstlichkeiten anzubieten, deshalb gibt es ja auch die Tradition der Supra, ein Festmahl, an dem Unmengen von Speisen aufgetischt werden und bei dem die Anwesenden gemeinsam singen und musizieren.

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Vegetarisch essen in Tiflis: einfacher, als du denkst

11 georgische vegetarische Spezialitäten die du unbedingt in Tbilisi probieren solltest

Fangen wir aber erst einmal klein and mit elf vegetarischen Gerichten der georgischen Küche, die du unbedingt bei deinem Besuch in Tiflis probieren solltest.

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Essen ist in Georgien ein Event und wird immer zelebriert

1. Khinkali

Kinkahli ist wohl der berühmteste Klassiker der Küche Georgiens. Die Teigtasche erinnert sowohl an polnische Piroggi, chinesische Dumplings oder schwäbische Maultaschen – und tatsächlich handelt es sich bei Khinkali um die georgische Variante der beliebten Speise. Khinkali enthalten unterschiedliche Füllungen, sowohl fleischhaltig als auch vegetarisch. Für Vegetarier besonders interessant sind mit Kartoffeln und Käse gefüllte Teigtaschen.

Beim Verzehr der Khinkali kann man übrigens auch einen Fauxpas begehen, denn er wird auf eine ganz besondere Art und Weise gegessen und zwar nicht mit Besteck, sondern mit den Händen. Zunächst wird der Teller großzügig mit Pfeffer bestreut. Dann greifst du den Khinkali an der Teiglasche und beißt herzhaft hinein – und wenn du richtig gut bist, dann saugst du auf einmal den ganzen flüssigen Inhalt auf. Aber niemals, wirklich niemals, isst du die teigige Lasche, denn der gehört zurück auf den Teller.

Khinkali essen in Tiflis: Kinkhali bekommst du in Tiflis an fast jeder Ecke, doch die Qualität und Machart variiert start. Das Restaurant Zakar Zakharich ist eines der letzten Lokale ist, die die Kinkhali tatsächlich noch per Hand herstellen. Wenn du Khinkali bestellst, achte darauf, mindestens fünf Stück pro Geschmacksrichtung zu bestellen, so ist zumindest in den meisten Restaurants die Vorgabe.

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Khinkali, das georgische Nationalgericht

2. Nigsiani Badrijani

Das Gericht mit dem für deutsche Zungen fast unaussprechlichen Namen findest du in Tiflis oftmals auch unter der englischen Bezeichnung „eggplant with walnut“. Dabei handelt es sich um ein echtes Comfort Food: Gegrillte Aubergine wird mit einer Tapenade aus Walnuss, Bockshornklee, Estragon-Essig, und getrockneter Ringelblume bestrichen. Wenn du denkst, dass du schon alles an vegetarischen Gerichten auf dieser Welt ausprobiert hast, dann lass dich von der geschmacklichen Einzigartigkeit von Nigsiani Badrijani überraschen.

Nigsiani Badrijani essen in Tiflis:  Eine modern interpretierte Variante von Nigsiani Badrijani habe ich im hippen Shavi Lomi gegessen. Andere Reisende empfehlen das Racha House, wo die Aubergine wie zu einer Blüte zusammengerollt wird und somit besonders instagrammable daherkommt.

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Aubergine mit Walnusspaste: Nigsiani Badrijani

3. Georgischer Käse

Georgischer Käse ist sehr salzig! Der berühmt Sulguni Käse aus der Salzlake ist Zutat in vielen georgischen Speisen, unter anderem spielt er eine prominente Nebenrolle bei vielen der brotbbasierten Gerichte. Der weiche Sulguni Käse schmeckt gut mit Honig, Weintrauben und Walnüssen. Sulguni Käse gibt es auch reifer und fester sowie in einer geräucherten Variante.

Sulguni Käse essen in Tiflis: Gerichte mit Sulguni-Käse gibt es in jedem georgischen Restaurant. Auf dem kleinen Markt in der Altstadt von Tiflis nahe dem Uhrenturm gibt es eine Auswahl an weiteren georgischen Käsesorten, die oft sehr würzig sind, ähnlich spanischem Höhlenkäse oder französischem Blauschimmelkäse.

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Auf dem Markt in Tiflis gibt es eine großartige Auswahl an georgischem Käse

4. Khachapuri

Als ich meine Tiflis-Mitreisende Tatiana von The Happy Jetlagger gefragt habe, was es denn beim Georgier neulich zu essen gab, war ihr erstes Wort: „Brot!“ Und in der Tat, Brot nimmt in der georgischen Küche einen sehr hohen Stellenwert ein. Kchachapuri ist eine besonders leckere Variante der georgischen Brotbackkunst, denn hierbei handelt es sich um eine Art Käsefladen oder auch Käsepizza.

Je nach Region ist das Khachapuri anders hergestellt oder befüllt und in Tiflis bekommst du den Brotsnack auf jede erdenkliche Art und Weise. Typisch für Tiflis ist das Khachapuri mit salzigen Sulguni Käse, es gibt aber auch mit Bohnen oder Kartoffeln gefüllte Khachapuris. Ebenfalls extrem lecker: Khachapuri das in Butter getränkt und anschließend gegrillt wird.

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Eine der vielen Varianten von Khachapuri, hier mit Spinat und Käse

Zu einer fast magenfüllenden Mahlzeit wird das Khachapuri in der Adscharischen-Variante: auf das heiße Brot wird erst geschmolzener Käse, dann ein rohes Eigelb und anschließend ein ordentliches Stück Butter gegeben. Um es zu essen, verrührst du die Butter und das Eigelb, bis es leicht zu stocken anfängt und dippst dann das Brot in die Tunke.

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Das berühmte adschurianische Khachapuri, auch bekannt als „cheese boat“

Khachapuri essen in Tiflis: Im Café Kala (das eigentlich ein Restaurant ist) bekommst du ein besonders leckeres Kchachapuri nach Adscharien-Art. Khachapuri mit Aussicht kannst du im Funicular Cafe auf dem Mtatsminda-Plateau essen, das du mit der Zahnradbahn von Tiflis erreichst.

5. Pkhali

Wenn du dich schon einmal gefragt hast, ob es auch typische vegane georgische Spezialitäten gibt, dann hast du mit Pkhali oder Pchali deine Antwort. Pkhali ist eine Art Pesto, im Originalrezept enthält es Spinat, Walnuss, frische Kräuter und Knoblauch. Oft wird es zusammen mit anderen Pasten und Brot auf einer großen „Sharing Plate“ serviert – die perfekte georgische Vorspeise zum Teilen.

Pkhali essen in Tiflis: Pkhali lässt sich prima als Vorspeise essen, zusammen mit Brot oder Crackern und dem berühmten georgischen Käse.  Im Shavi Lomi ist das Pkhali besonders hübsch angerichtet und lecker.

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Pkhali – gemischte Vorspeisenplatte aus Georgien

6. Lobio

Wer hätte gedacht, dass simple Bohnen so außergewöhnlich gut schmecken können? Lobio sind Kidneybohnen, die mit Zwiebeln und Gewürzen in einem Tontopf langsam gegart werden. Serviert wird das Lobio mit Maisbrot (mchadi), eingelegten Gurken, Bockshornklee und Lauchzwiebeln. Bohneneintopf

Lobio essen in Tiflis: In der a traditionellen Taverne Duquani oder im gemütlichen vegetarischen Cafe Leila.

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Lobio: Bohnensuppe im Tontopf gegart

7. Georgischer Salat

„Wie griechischer Salat, nur auf georgisch“, so könnte man laienhaft den georgischen Salat beschreiben, aber betrachte diesen Vergleich bitte nur als erste Orientierung. Denn eigentlich ist hier bis auf die Grundzutaten Gurke und Tomate fast alles anders. Der einfach, aber raffinierte Bauernsalat wird traditionell mit Koriander und Basilikum gewürzt.

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Rote Beete ist in der georgischen Küche häufig vertreten

Weitere Zutaten sind das berühmte Kakhetianische Olivenöl, Rucola und rote Zwiebeln. Dazu wird baje gereichzt, ein georgisches Walnuss-Pesto, das ich, wenn es nur nach mir persönlich ginge, gerne auch löffelweise essen könnte.

Georgischen Salat essen in Tiflis: Schmeckt überall anders, und so gut wie überall köstlich. Sehr frisch und voller Kräuter war der georgische Salat im Shavi Lomi.

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Georgischer Salat: eine Geschmacksexplosion durch georgisches Olivenöl und frische Kräuter

8. Elardschi

Mais-Käsebrei mit geschmolzenem Sulguni-Käse. eine feine und sehr zarte dickflüssige Grütze aus weißem Kukuruz-Mehl, in der später großzügig Sulunguni, ein mozarellaartiger Käse geschmolzen wird. Man isst den zarten cremigen, Faden ziehenden Elardschi als Beilage zu den 

Elardschi essen in Tiflis: Mit Joghurt im Shavi Lomi oder besonders reichhaltig im Sirajkhana.

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Georgischer Maisbrei Elardschi mit Sulguni-Käse

9. Dschondscholi-Kraut 

Schonmal Pimpernuss gegessen? Oder überhaupt davon gehört? Wenn du in Tiflis essen gehst, wirst du mit ziemlicher Sicherheit auf „Dschondscholi“ treffen. Auf der englischen Karte heißt es meist „Jonjoli“ und es handelt sich dabei um eingelegte Blütenknospen der Pimpernuss aus der Region Swanetien. Dschondscholi ist meist Teil eines Vorspeisen-Tellers und schmeckt anders als alles, was ich je probiert habe. Für mich ist das seither der typische Geschmack Georgiens.

Dshondsholi-Kraut essen in Tiflis: Cafe Leila.

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Schonmal Pimpernuss gegessen? Dschondscholi-Kraut, hier ganz vorne auf dem Bild, ist ein Klassiker der georgischen Küche

10. Mazoni

Bis ich in Georgien war, war bulgarischer Joghurt mein absolut liebstes Milchprodukt. Seitdem ich Mazoni probiert habe, muss ich die Krone allerdings an Georgien weiterreichen. Ähnlich wie Ayran gibt es Mazoni in flüssiger Form zu trinken, ebenso ist er in einer festeren Konsistenz erhätlich.

Madzoni essen in Tiflis: Sehr lecker war der Madzoni als Begleitung zum Elardschi Maisbrei im Sirajkhana Wein Restaurant.

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Madzoni, georgischer Joghurt

11. Tschurtschchela

Überall in Tiflis gibt es Stände mit einer Spezialität, die man zumindest auf den ersten Blick mit Salami verwechseln könnte. Dabei ist Tschurtschchela eine rein vegetarische Nascherei. Die gesunde Süßigkeit besteht aus Walnüssen, gedörrten Früchten und Traubensaft und wird als Dessert oder Snack zwischendurch gegessen.

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Sieht aus wie Salami, ist aber ein georgishes Dessert: Tschurtschchela

Vegetarische Restaurants in Tiflis

Es gibt ein georgisches Wort, das heißt „shemomedjamo“ – und das bedeutet so viel wie: „ich hab aus Versehen alles aufgegessen!“ Alles aufzuessen haben weder ich noch meine Reisebegleitung geschafft, denn in Georgien wird reichhaltig aufgetischt. Von den Restaurants, die wir innerhalb unserer drei Tage in Tiflis ausprobiert haben, möchte ich dir vier besonders ans Herz legen.

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Im Weinkeller des Hotel Museum befindet sich das Restaurant Sirajkhana

Cafe Leila

Im Cafe Leila bist du als Vegetarierin auf der sicheren Seite, denn hier sind alle Gerichte vegetarisch. Du solltest jedoch kein Problem mit Knoblauch haben, denn der wird in den meisten Speisen sehr großzügig verwendet. Veganer haben es etwas schwerer, werden hier jedoch auch fündig und müssen nicht auf typische georgische Gerichte verzichten. Das Cafe Leila ist klein und sehr gemütlich. Tipp: unbedingt noch Platz für eine Nachspeise lassen: das „Orbelliani Candy“, eine Praline aus Karamell und Walnuss, wird nur hier hergestellt und serviert.

Cafe Leila, 18 Ioane Shavteli St, Tiflis Altstadt

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Georgische Spezialitäten in vegetarisch gibt es im Cafe Leila in der Altstadt von Tiflis

Shavi Lomi

Stylische Einrichtung, ein kreativ-hippes Publikum und typisch georgische Speisen modern interpretiert: Das Shavi Lomi („der schwarze Löwe“) ist the place to be in Tiflis. Im Sommer kann man hier auch sehr schön im Hinterhof sitzen, über dem das Gemälde des namengebenden schwarzen Löwen wacht.

Shavi Lomi, 28 Zurab Kvlividze St, Tiflis

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Hier speisen die Schönen, Jungen und Kreativen: Shavi Lomi

Sirajkhana

Als meine Reisebegleitung und ich am ersten Abend im Weinkeller des Museum Hotels einkehrten, wurden wir gleich mit einer Supra überrascht: am Nebentisch versüßte uns ein Männerchor mit dem typischen georgischen polyphonen Gesang unser Abendessen. Im Sirajkhana herrscht eine angenehme Atmosphäre die dazu einlädt, auch nach dem Dinner noch ein paar der berühmten georgischen Weine zu probieren.

Sirajkhana Weinkeller, im Museum Hotel Orbelliani, 8-10Vakhtang Orbeliani Street, Tiflis

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Weinkeller des Museum Hotel in Tiflis

Fabrika

Die Fabrika ist eine ehemalige Textilfabrik, die mittlerweile ein Zentrum für die Kreativszene in Tiflis ist. Hier gibt es einen Coworking-Space, eine Töpferei, kleine Shops und Cafés.

Falls du mal etwas anderes vegetarisches essen willst als traditionell georgische Speisen, kommst du im Fabrika-Restaurant auf deine Kosten. Viel Auswahl für Vegetarier gibt es zwar nicht, der Veggie-Burger mit einem Gemüse-Patty im Tempuramantel ist aber sehr zu empfehlen.

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Veggie Burger im Fabrika Restaurant

Ein Wochenende in Tiflis

Hast du jetzt Lust bekommen, dich durch Tiflis bzw. Tbilisi zu schlemmen? Warum Tiflis die ideale Destination für einen Kurztrip im Winter ist verrät dir Tatiana von The Happy Jetlagger: 10 Dinge, die man in Tiflis unternehmen kann.

Offenlegung: Ich war auf Bloggerreise in Tiflis, auf Einladung der Tbilisi City Hall. Vielen Dank!