Martina von Wanderhunger will meinen liebsten Reisesong wissen. Nun, davon habe ich jede Menge.

Meine erste Erinnerung an einen Reisesong dürfte wohl „Manic Monday“ von den Bangles sein. Damals war ich so ungefähr 9 Jahre alt und fuhr auf dem Rücksitz unseres VW Passats mit meinen Eltern und meinem vier Jahre jüngeren Bruder in den Urlaub nach Italien. Im Zwergenstaat San Marino machten wir Halt – und ich erstand zwei Musikkassetten. Eine von Jennifer Rush, die fand ich aber ziemlich schnell doof. Und die andere eben von den Bangles: „Different Light“. Ich war sofort hin und weg von der Frauenband, der fantastischen Stimme von Sängerin Susanna Hoffs und der Hitsingle „Manic Monday“. Auch heute noch, wenn ich an diesen Song höre, denke ich an lange Autofahrten im heißen Sommer, „Pizza ohne alles“ am Adriastrand und dieses ganz besondere italienische Lebensgefühl.

Voyage Voyage und ein mittelschweres Desaster

Den Sommer drauf fuhren wir nach Südfrankreich in den Urlaub, und hier war „Voyage Voyage“ von Desireless groß in Mode. Ebenso „Soca Dance“ von Charles D. Lewis. Kennt das noch jemand? Ein extrem eingängiger Ohrwurm!

Beide Alben kaufte ich als Vinyl-Schallplatte. Ein großer Fehler, wie sich alsbald herausstellen sollte. Die auf der Kofferraumablage gelagerten Platten vertragen die französische Hitze irgendwie nicht so gut – und schmolzen dahin. Der Schmerz war groß, denn mit zwei Mark Taschengeld pro Woche hatte ich mein Budget für bestimmt zwei Monate bereits verpulvert. Trösten konnte mich da nur die weißen Pferde in der Camargue, die wir später sehen sollten und das „Loulou-„-Parfum von Cacherel, das mir meine Eltern schenkten.

Mit Jim Morrisson durch die Mojave Wüste

Mit einem anderen Song verbinde in lange Fahrten durch die unwirklichen Welten der amerikanischen Mojave-Wüste. Als ich nach meinem Au-Pair-Jahr Mitte der Neunziger Jahre für einen Monat mit einer kleinen Reisegruppe durch Kalifornien, Nevada, Utah und Arizona getourt bin, lief bei mir „L.A. Woman“ von „The Doors“ rauf und runter. Gerade der Song „Riders on the storm“ passte so unfassbar gut zu der Kargheit und der unfassbaren, schwirrenden Hitze der Wüste.

Mein liebster Reisesong: das Griechenland-Lied

Es gibt aber einen Reisesong, der alle anderen überstrahlt. Dieser Song verkörpert wie kein anderer für mich die Sehnsucht nach dem Süden, nach Freiheit und auch nach dem Auswandern. Er stammt von „S.T.S.“, passenderweise also von Landsleuten Martinas, der Initiatorin dieser Blogparade. Ich weiß nicht, wie man heutzutage zu „S.T.S.“ in Österreich steht und ob es verdammt uncool ist, sie gut zu finden. Ist aber auch egal.

Der Song, um den es geht, heißt „Irgendwann bleib i dann dort“, bei meinem Bruder und mir ist er allerdings nur als das „Griechenland-Lied“ bekannt. Und auch dazu gibt es natürlich eine Geschichte. Gotte Uschi, also meine Patentante, fuhr viele Sommer lang mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern mit dem Wohnmobil in den Urlaub nach Griechenland. Auf ihrer Rückkehr kamen sie auf der „Turnerhütte“ in Vorarlberg in Österreich vorbei, in der wir und andere befreundete Familien auf sie warteten. Ach, schon wieder ein Österreich-Bezug, fällt mir da gerade ein. Diese Hütte gehörte unserem Turnverein und als Mitglieder kamen wir des Öfteren in den Genuss, dort zu urlauben. Wenn also Gotte Uschi und Onkel Charly mit ihren Kids und dem Wohnmobil dort vorbeikamen, dann machten wir lange Spieleabende und Sessions am Lagerfeuer mit Würstchen und Gitarre. Dort wurde dann das „Griechenland-Lied“ gespielt.

Bei diesen Lyrics kannst du vielleicht verstehen, warum ich jedes mal, wenn ich das Lied höre, eine Gänsehaut bekomme:

Nach zwei, drei Wochen hab i’s g’spürt,
I hab das Lebensg’fühl dort inhaliert
Die Gedanken dreh’n si um,
Was z’haus wichtig war is jetzt ganz dumm
Du sitzt bei an Olivenbaum
Und du spielst di mit an Stein
Es is so anders als daham

(S.T.S. „Irgendwann bleib i dann dort“)

Ich fand diese Art des Urlaubmachens mit dem Wohnmobil damals schon faszinierend und seitdem verbinde ich „Irgendwann bleib i dann dort“ mit dem Gefühl, einfach loszufahren in ein anderes Land, wo es warm ist, wo das Meer rauscht und von wo man tonnenweise Melonen mit nach Hause bringt.

Meine Reisesehnsuchts-Playlist auf Spotify

Auf Spotify habe ich eine Reisesehnsuchts-Playlist angelegt, der du hier folgen kannst. Sie beinhaltet alle oben genannten Songs und noch einige weitere, die ich mit verschiedenen Reisen und Auslandsaufenthalten verbinde. Shakira, Amaral und Jarabe del Palo sind der Soundtrack meines Erasmus-Studiums in Madrid, TLC, Alannis Morrissette und die Beastie Boys hörte ich rauf und runter, als ich ein Jahr in den USA als Au Pair lebte, Francoiz Breut und M sind meinen Urlauben mit meinem französischen Exfreund geschuldet und Carter USM und Blur erinnern mich an wilde Konzerte in London. Ein paar guilty pleasures sind natürlich auch dabei: „Saturday Night“ von Whigfield für den ersten Malle-Urlaub, „Joe le taxi“ von Vanessa Paradis für Schüleraustausch in Frankreich und „All that she wants“ von Ace of Base für einen Urlaub in den Niederlanden.

Und jetzt möchte ich natürlich unbedingt wissen: Was sind deine Reisesongs? Welches Lied verbindest du mit diesem einen, ganz speziellen Urlaub?