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7 Tage Fastenwandern und Yoga: Meine Erfahrung

Fasten, Wandern und Yoga: Eine Woche zurück zu mir selbst

Ich sitze im Zug nach München, als Proviant dabei habe ich eine Kanne mit Ingwertee, zwei Liter Wasser und gleich drei Tupperdosen mit Obst. Normalerweise bedeutet Zugfahren für mich automatisch die Lizenz zum Snacken und neben einer Butterbrezel habe ich so gut wie immer ein Nougatcroissant oder eine Streuselschnecke dabei. Diesmal ist aber alles anders, denn: Vor mir liegt eine Woche Fastenwandern in Oberbayern, und um meinen Körper auf die entbehrungsreiche Zeit vorzubereiten, mache ich gerade „Entlastungstage“ – das heißt ich esse nur Obst. So ganz entspricht das allerdings auch nicht der Wahrheit, denn gestern habe ich noch ein Trendgetränk namens „Cheese Tea“ getrunken, mit allerschlechtestem Gewissen, denn gekrönt war der eiskalte, rote Früchtetee mit einer stattlichen Haube aus Frischkäseschaum. Sehr lecker, aber nicht gerade entlastend.

Das Entlasten ist übrigens keine Pflicht, aber eine dringende Empfehlung. Denn wer sich nicht daran hält, könnte es im Verlauf der Fastenwoche bereuen: Er wird Hungergefühle haben und vielleicht mehr mit dem Fasten hadern als andere. Aber mehr dazu später.

Ein paar Stunden später bin ich im Haus Ammertal in Bad Kohlgrub angekommen und habe meine kleine Kemenate bezogen, die für die nächsten Tage mein Rückzugsort sein wird. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Seminarhaus habe ich schon eine meiner Mitfasterinnen getroffen, Eske, Journalistin, aus der Lüneburger Heide. Und noch ein paar Stunden weiter lernen wir uns alle kennen: 13 Frauen unterschiedlichsten Alters und mit verschiedenen Backgrounds, die sich alle vorgenommen haben, eine Woche lang zu fasten und dabei zu wandern und Yoga zu machen.

Wie soll das alles funktionieren, frage ich mich? Werde ausgerechnet ich das durchhalten, die ich bekannt dafür bin, unausstehlich zu werden, wenn ich mal nicht regelmäßig alle paar Stunden was zu essen bekomme?

Dieser Beitrag enthält Werbung für Relaxt Fasten mit Anette

Was genau ist Fasten überhaupt?

„Als Fasten wird die völlige oder teilweise Enthaltung von allen oder bestimmten Speisen, Getränken und Genussmitteln über einen bestimmten Zeitraum hinweg, üblicherweise für einen oder mehrere Tage, bezeichnet.“ Das sagt Wikipedia und das scheint auf alle gängigen Fastenarten zu passen. Denn, um es gleich vorweg zu nehmen: Fasten ist nicht gleich Fasten.

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Religiöses Fasten

Wenn du hier in Deutschland aufgewachsen bist, dann ist dir wahrscheinlich die Fastenzeit, die von Aschermittwoch bis Ostern dauert, ein Begriff. Obwohl ich nicht sonderlich religiös, dafür aber in einer katholischen Gegend aufgewachsen bin, gab’s in meiner Kindheit bei uns in der Fastenzeit keine Süßigkeiten. In fast allen Religionen ist Fasten ein Bestandteil – neben dem Christentum wird im Islam, im Buddhismus, im Hinduismus und im Judentum gefastet, auch wenn die Ausführung und Gebote jeweils anders geartet sind.

Heilfasten

Beim Heilfasten ist die Motivation nicht eine religiöse, sondern eine gesundheitliche. Der Körper soll sich regenerieren, er soll sich „entschlacken“ und im Idealfall soll er sich dadurch auch heilen bzw. den Heilungsprozess unterstützen. Beim Heilfasten geht es aber oftmals nicht nur um die körperliche, sondern auch die seelische Entrümpelung. Beim Heilfasten gibt es viele unterschiedliche Ansätze – manche dieser Fastenarten gehen mehr in die Richtung Lifestyle, andere haben eine lange Tradition und werden in Kliniken durchgeführt. Und dann gibt es auch noch Fastenmethoden, die eher einer Crashdiät ähneln und schlichtweg gefährlich sind. Bekannte Arten von Heilfasten sind u.a.

  • Buchinger Heilfasten
  • Fasten nach Mayr
  • Basenfasten
  • Saftfasten
  • Schrothkur
  • Intervallfasten/Intermittierendes Fasten

Fasten nach Buchinger

In meiner Fastenwanderwoche haben wir nach der Heilfastenmethode von Otto Buchinger gefastet. Genau genommen machen wir „Fasten für Gesunde“ denn wer an der Fastenwanderwoche teilnimmt, sollte gesund sein bzw. sich davor vom Arzt durchchecken lassen. Buchingerfasten bedeutet keine absolute Askese, sondern stattdessen, dass wir unsere Nahrung ausschließlich flüssig zu uns nehmen – in Form von salzarmen Fastenbrühen, Obst- und Gemüsesäften, Kräutertee, etwas Honig und dem Saft von Zitronen.

fastenwanderung bayern

Und, wie Fastenleiterin Anette nicht müde wird zu betonen: Wasser, Wasser Wasser. Beim Buchingerfasten geht es aber nicht nur um den bewussten und freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung, sondern auch um verschiedene Phasen, die entweder durch körperliche und geistige Aktivität oder aber durch körperliche und geistige Entspannung gekennzeichnet sind. Wer nach Buchinger fastet, der soll sich auch bewegen – und das tun wir täglich mehrmals, in Form von Frühgymnastik, Wandern und Abendyoga. Spätestens jetzt ist es wohl an der Zeit, dir von meinem typischen Tagesablauf während der Fastenwoche zu erzählen.

Tagesablauf einer Fastenwanderwoche

Fastenwandern Morgenroutine

Geweckt werden wir um 7:45  durch ein Klopfen an unser Tür, was bedeutet, dass Anette uns einen Tee mit Honig hingestellt hat. Bis ich meinen Tee trinke, ist er bereits abgekühlt, denn wenn Anette klopft, bin ich schon längst unterwegs. Ich habe unweit von unserem Haus einen Meditationsplatz entdeckt und vor Kurzem das Meditieren für mich entdeckt. Pünktlich um viertel nach acht bin ich wieder zurück, denn dann treffen wir uns vor dem Seminarhaus. Wir stehen – so ein bisschen waldorfschulmäßig – im Kreis und jeder teilt mit, wie er sich fühlt. 10 für super, 1 für eher bescheiden. Danach gehen wir im Schweigen – aber mit viel Bewegung – zum Tatzelwurm.

Der Tatzelwurm ist ein legendäres Fabeltier im Voralpenland, und hier in Bad Kohlgrub steht seine Statue auf einem schönen Plätzchen am Waldrand. Hier auf der Wiese, mit Blick auf die Berge, macht unsere Fastenleiterin eine kleine Morgenmeditation mit uns, und ein paar Yoga- oder Gymnastikübungen. Jetzt dürfen wir auch wieder quatschen, was wir auf dem Weg zurück auch ausführlich machen.

fastenwandern meditation

Dann gibt es Frühstück – jeden Tag übrigens eine andere Sorte Kräutertee, selbstverständlich bio. Und manchmal auch ein paar kleine Extras wie „Fastenschnaps“ – das ist Oxymel, eine Mischung aus Apfelessig und Honig, die sehr viel besser schmeckt, als es sich anhört. Jedenfalls deutlich besser als zum Beispiel Distelsaft oder Brennesselextrakt, die aber beide sehr unterstützend beim Fasten sind.

Eine Sache der Morgenroutine habe ich noch ausgelassen. Einerseits ist es nämlich „tmi“ – „too much information“. Anderseits ist es völlig unsinnig, nicht davon zu erzählen. Es geht um den täglichen Einlauf. Ich weiß, es klingt furchtbar und ehrlich gesagt war der Einlauf auch das, wovor ich im Vorfeld am meisten Angst hatte. Was soll ich sagen…es gehört immer noch nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, aber es war auch weitaus weniger schlimm, als ich es mir vorgestellt habe. Den Darm zu reinigen ist eine wichtige Säule beim Buchinger-Heilfasten und wer das nicht tut, der kommt nicht so gut „ins Fasten“, sondern wird ständig Hunger haben, müde sein und unter Kopfschmerzen leiden. Wenn du wissen willst, wie genau ein Einlauf funktioniert, dann empfehle ich dir dieses Video von Andrea Sokol, die das so erklärt, als ginge es hier nicht um ein absolutes Tabu-Thema, sondern um ein Beauty-Tutorial. Ist es ja auch irgendwie, nur halt für innen.

Fastenwanderung

Um halb elf geht’s dann los auf die Wanderung, Die fällt an manchen Tagen kürzer aus (so um die zwei Stunden), an manchen Tagen länger (ungefähr vier Stunden). Man ist beim Fasten nämlich nicht an allen Tagen gleich fit – Tag 4 zum Beispiel ist so ein typischer Tag, an dem der Energiehaushalt eher schwach ist, deshalb haben wir da nachmittags auch Freizeit und können das Wandern auch mal sein lassen (Spoiler: hab ich nicht, aber das war ja meine eigene Entscheidung).

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Auf der Wanderung gibt es bei einer Pause das Mittagessen: Das ist jeden Tag ein anderer frisch gepresster Saft, den wir selbst im Rucksack herumtragen. Du glaubst nicht, wie sehr wir uns alle immer auf diesen Saft freuen. Wir rätseln schon morgens, welchen Saft es denn heute geben wird (der absolute Favorit: Melone!).

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Und selbstverständlich reden wir während des Wanderns auch übers Essen – es werden sogar Rezepte ausgetauscht. Das ist ganz normal und auch überhaupt kein Problem, sagt Anette. Es ist nämlich tatsächlich so: Nach den ersten ein oder zwei wirklich harten Tagen ist der Hunger bei uns allen weg. Gerade bei mir sind aber die Gelüste noch da. Vor allem, wenn die Bedienung auf der Almhütte einen Riesenteller mit Kaiserschmarren vor mir herträgt und ich hingegen „einen Kräutertee, bitte“ bestelle. Ich muss jetzt nicht immer extra erwähnen, dass wir tagsüber und vor allem während dem Wandern extrem viel Wasser trinken – davon kannst du einfach ausgehen. Was es aber zusätzlich gibt, sind ein bis zwei Teelöffel Honig und Zitronenschnitze, allerdings nicht zum Essen, sondern nur zum Auslutschen.

Entspannung und Leberwickel

Am späten Nachmittag sind wir dann zurück in unserem Haus. Jetzt ist Entspannung angesagt. Die geht mit einem Leberwickel einher: ein warmer, feuchter Lappen der auf den rechten Oberbauch gelegt wird, eben da, wo die Leber sitzt. Da drauf kommt dann noch eine nicht zu heiße Wärmflasche und dann verbringt jeder die Stunden bis zum Abendessen so, wie er möchte.

Ich mache es mir meistens draußen mit ein paar Zeitschriften oder einem Podcast gemütlich, denn im Juli 2020 sind wir fast durchgehend mit warmem, sonnigen Wetter gesegnet. Zusätzlich bei der Entgiftung helfen soll der Leberwickel und als ich das meiner Mutter erzähle, erinnert sie mich daran, dass wir als Kinder auch oft einen Leberwickel bekommen hatten, wenn wir krank geworden sind.

Abendessen in der Fastenwoche

Zum Dinner gibt es dann eine Fastenbrühe. Auch die ist, wie der Saft zum Mittagessen, jeden Tag anders. Wer hätte gedacht, dass eine einfach Brühe so gut schmecken kann – und dass es auch andere Arten von Brühe gibt als die typische gelblich-blasse Suppengemüse-Brühe. Unser Koch André hat ein wahres Talent darin, aus einer simplen Brühe eine wahre Geschmacksexplosion zu zaubern. Der allgemeine Favorit: Die Brühe aus gerösteter Paprika.

buchinger fastenbrühe

Abendyoga

Um halb acht abends ist es dann Zeit für Yoga. Unsere Fastenleiterin Anette praktiziert und unterrichtet Yoga seit vielen Jahren. Ich gehöre zu den Menschen, die den Zugang zu Yoga bisher noch nicht so richtig gefunden haben – Anette hat es geschafft, meine abwehrende Haltung innerhalb von einer Woche zumindest in Richtung Wohlwollen zu ändern. Wir machen jeden Tag eine andere Art von Yoga und Anette hat sich immer kleine Extras für uns ausgedacht: ein duftendes Spray für das Shavasana, eine kurze Nackenmassage und, was ich extrem spannend fand: ein Schnuppern in Yoga Nidra, einer Yogatechnik, bei der völlige Tiefenentspannung erreicht werden soll.

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Abendritual

Nach dem Yoga sitzen wir noch kurz zusammen. Wer mag, macht ein basisches Fußbad oder trinkt noch einen Tee – und wer nicht mag, kann auch jetzt schon ins Bett. Denn das ist das Schöne hier: Man kann sein und tun, wie man will. Kein Gruppenzwang, keine Dogmen, kein Freizeitstress. Höre auf dich und deinen Körper und lerne wieder, seinen Signalen zu vertrauen – eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus dieser Fastenwoche gezogen habe.

Fastenwandern in Bayern

Fastenwandern kann man so gut wie überall – in Deutschland zum Beispiel auf Sylt, an der Ostsee, im Schwarzwald oder an der Mecklenburgischen Seenplatte. Meine Fastenwoche führte mich in die Ammergauer Alpen in Oberbayern, und ich hätte es nicht besser treffen können. Das Seminarhaus Ammertal befindet sich in Bad Kohlgrub, einem der ältesten Moorheilbäder Deutschlands. Einst eine Hochburg für von den Krankenkassen finanzierte Kuren ist es jetzt ein beschaulicher Ort mit freundlichen Menschen und schönen kleinen Läden.

bad kohlgrub moorheilbad

Die Landschaft der Ammergauer Alpen ist fantastisch für nicht zu herausfordernde, aber landschaftlich traumhafte Wanderungen – vom Hausberg Hörnle über Rundwanderungen um den Staffelsee oder im Murnauer Moos bis hin zu Touren entlang der Ammer, zu versteckten Buchten und Wasserfällen.

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Unsere Unterkunft im Ammertal

Unsere Unterkunft haben wir im Haus Ammertal, einem Seminarhaus, in dem ansonsten auch oft Yoga-Retreats und andere Workshops stattfinden. Das Haus ist alt, das merkt man ihm an der ein oder anderen Ecke an, aber gerade das macht auch seinen ganz besonderen Charme aus. Ich wohne in einem kleinen Zimmer,  ich nenne es meine Kemenate: fast wie ein Gemach in einer Burg oder einem Kloster. Mit eigenem Bad und Blick auf das Hörnle. Ich liebe es. Es gibt aber auch größere Zimmer, manche sogar mit stattlichem Balkon.

Haus ammertal bad kohlgrub

Im Juli sitzen wir hier zum Frühstück und Abendessen im Garten, im Winter soll es im Kaminzimmer sehr gemütlich sein, wie mir andere Teilnehmerinnen erzählen. Denn: Einige meiner Mitfastenden sind nicht zum ersten mal hier zum Fastenwandern, was mich von Anfang an sehr beruhig: Wenn es andere gibt, die nochmal wiederkommen, dann kann es ja nicht so schlimm sein.

Das beste am Haus Ammertal ist, dass man nie aufeinander hockt. Gerade in Coronazeiten ist es hier perfekt, um an einem Tisch, aber mit Abstand zu sitzen oder um sich in eine gemütliche Ecke zurückzuziehen, wenn man denn seine Ruhe haben will.

Das Beste und das Schlimmste am Fasten

Das beste meiner Fastenerfahrung? Das sind gleich mehrere Sachen, die ich da aufzählen kann. Zum einen das gute Gefühl, dass ich mich mehr mit meinen Körper verbunden fühle. Ich hatte schon zu Beginn des Lockdowns damit anzufangen, wieder mehr auf meine Ernährung zu achten und mich mehr zu bewegen. Die Fastenwoche mit dem ständigen in-der-Natur-sein und der Reduktion auf das Wesentliche hat noch einmal mehr dazu beigetragen, meinen Körper und all das, was er Tag für Tag leistet, zu schätzen.

meditationsweg ammergauer alpen

Fastenwandern in der  Gruppe

Auch toll war das Gefühl innerhalb unserer Gruppe. Ich bin normalerweise ja nicht so der Gruppenmensch und das Wort „Gruppenreise“ hat bisher eher Fluchtreflexe in mir ausgelöst. In diesem Fall war es aber genau richtig – auch weil wir einfach so ein Glück hatten mit der Zusammensetzung. Wir waren alle unterschiedlich – von der Fernsehredakteurin über die Steuerberaterin, Altenpflegerin und Schulrätin bis hin zur Ärztin, Biochemikerin und Fotografin war nicht nur eine weite berufliche, sondern auch altersmäßige Bandbreite vertreten.

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Jede Frau mit ihren jeweils eigenen Ansichten, Erfahrungen und Eigenschaften war eine Bereicherung für die Gruppe. (Danke für die schönen Gespräche beim Wandern, Schwimmen, Frühstück, Abendessen und zwischendurch!) Dass nur Frauen dabei waren, war übrigens reiner Zufall – eine von uns wäre eigentlich mit ihrem Partner gekommen, der musste aber kurzfristig beruflich verreisen. Generell sind es aber tatsächlich eher Frauen, die sich für Anettes Fastenwanderwoche anmelden, denn die Kombination von Wandern, Fasten und Yoga scheint mehr weibliche denn männliche Teilnehmer anzusprechen.

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Das Wandern war natürlich eine der allerschönsten Erfahrungen in der Fastenwoche. Jeden Tag in Bewegung zu sein, Waldluft zu atmen und das alles in einer so schönen Gegend. Meine Mitfastende Katherina, die schon zum zweiten Mal mit Anette unterwegs war, hat es absolut treffend ausgedrückt: „Es fühlt sich wie ein wunderschöner Wanderurlaub an und das mit dem Fasten ist einfach nur ein Aspekt des ganzen Teils.“

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Die Fastenwoche steht und fällt mit der richtigen Fastenleitung

Meine allererste Erfahrung mit dem Fasten und Fastenwandern wäre nicht so toll geworden, wenn es nicht einen weiteren Faktor gegeben hätte: Unsere phänomenale Fastenleitung Anette. Es ist nicht einfach, sich voller Vertrauen in die Hände einer zunächst völlig fremden Person zu begeben – doch es wird um einiges leichter, wenn diese Person so sympathisch und nahbar ist wie Anette. Ich hatte zunächst etwas Sorge, dass die Woche etwas zu sehr „spiri“ für meinen Geschmack werden würde.

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Als Anette dann eine Yogaübung mit den Worten „das entspannt wie Sau!“ beschrieben hat, war mir klar, dass ich diese Bedenken getrost über Bord werfen könnte. Anette versteht es perfekt, die Balance zu halten zwischen notwendiger innerer Einkehr, die man bei Meditationen oder beim Yoga eben benötigt und einer bodenständigen und sehr praktischen Einstellung. Gepaart mit ihrem Fachwissen und ihrem ständigen Darauf-Achten, dass es uns allen wirklich gut geht, habe ich mich tatsächlich super dabei gefühlt, mein Gehirn an der Seminarhaustür weitestgehend abzugeben und darauf zu vertrauen, dass da jemand genau weiß, wie das alles gut funktioniert.

PS: Mehr über Anette und ihr „Relaxt Fasten“ findest du in meinem Interview mit Anette.

Fasten: Die Sache mit dem Glaubersalz

Neben all diesen schönen Erfahrungen und Menschen – gab es da was, auf das ich getrost hätte verzichten können? Ganz ehrlich, ja. Das Fasten beginnt – verzeih mir, es wird jetzt wieder etwas direkt – mit einer Darmentleerung. Am Sonntag morgen wird zu Beginn der Fastenwoche gemeinsam Glaubersalz eingenommen. Und nachdem ich den ersten Schluck überhaupt nicht schlimm fand („Was haben die nur alle für ein Problem?“) hat es mich heftigst angewidert, den Rest des Gemisches zu trinken.

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Ich denke, das hatte auch ziemlich viel mit meinem Kopf zu tun – denn man weiß ja, was passiert, wenn man Abführmittel zu sich nimmt. Die Folge war übrigens auch weniger schlimm, als ich mir das ausgemalt hatte – keinerlei Krämpfe oder Schmerzen, einfach nur der Drang, sich zu entleeren. Es gibt auch Fasten-Anhänger, die diese Art der Darmentleerung für unnötig halten, ich habe mich in diesem Fall an die Empfehlungen von Buchinger gehalten und mitgemacht. Wenn du bis hierhin gelesen hast: Tapfer! Das war’s jetzt aber auch mit dieser Art von Themen.

Und nach dem Fasten?

Das Ende der Fastenwoche wird am Abend des siebten Tags mit dem Fastenbrechen eingeläutet.

Fastenbrechen

Nach einem ansonsten normalen Tag mit unserer üblichen Routine gibt es an diesem Tag zum Abendessen zum ersten Mal was zum Kauen – nämlich einen Apfel! Den ganzen Tag über waren wir schon etwas aufgeregt, weil sich eine Teilnehmerin, die schon einmal dabei war, verplappert hatte und wir deshalb vermuten, dass es anstelle eines normalen Apfels einen Bratapfel geben würde.

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Und so ist es dann auch: Ein großes Ahhh und Ooooh als André das Tablett mit Bratäpfeln, die duftend aus dem Ofen kommen, an den Tisch bringt. „Ihr werdet euch wundern, manche schaffen den Apfel nicht mal“, sagt uns Anette. (Und wie ich den Apfel geschafft habe…von der Nussfüllung mit Zucker (Zucker!) hab ich mir sogar nochmal etwas nachgeholt.)

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Belastungstage: Basische Ernährung

Mein Magen kam erstaunlich gut damit klar. Am Samstagmorgen dürfen wir dann zum ersten Mal wieder richtig frühstücken. Statt lediglich Tee wird uns diesmal Joghurt mit Obstsalat, Leinsamen und Erdmandelflocken serviert. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich so ein Joghurt machen kann!

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Damit ist die Fastenwoche vorbei und nun sollte man anschließend noch einige Tage entlasten. Das bedeutet, dass man nicht direkt so isst (und trinkt) wie vorher, sondern dass man seinen Körper wieder langsam daran gewöhnt. Es gibt verschiedene Methoden, wie man solche Entlastungstage gestaltet und Anette überlässt uns die Wahl und gibt nur Empfehlungen.

Ich entscheide mit für eine „vorwiegend basische“ Ernährung – das heißt ich werde die kommenden Tage hauptsächlich Obst und Gemüse sowie ein wenig Joghurt und Buttermilch zu mir nehmen. Das ist zumindest der Plan. Spoiler: So ganz wird das nicht klappen, denn ich war nach der Fastenwoche nämlich noch für zwei Tage in München – das erzähle ich aber an einer anderen Stelle.

Fastenwandern: Würde ich es wieder tun?

Als ich während der Fastenwoche auf Instagram eine Umfrage gestartet hatte, was du und ihr für Fragen zum Thema Fasten und Fastenwandern habt, ist mir eine Frage besonders im Gedächtnis geblieben: „Was erhoffst du dir davon?“Diese Frage haben wir uns auch bei der ersten Vorstellung innerhalb der Gruppe gestellt. Die Antworten lauteten von „Ich möchte mir eine Auszeit nehmen“ über „Ich will Ballast loswerden“ bis hin zu „Ich will wieder zu mir selbst finden.“

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Was meine eigentliche Motivation war, war mir in jenem Moment gar nicht so richtig klar. Das Fasten an sich hat mich schon immer interessiert, aber abgesehen von einem kläglich gescheiterten Saftfasten-Versuch aus irgendeiner Frauenzeitschrift habe ich es nie wieder gewagt. Ich war neugierig, ob ich das schaffen kann, wie es sich anfühlt, ob es irgendwas in meinem Körper und vielleicht auch Geist bewegt. Und, ich bin ehrlich: Nach einer vorherigen Abnahme von ungefähr 10 Kilo war ich seit Kürze auf einem Plateau gelandet und hatte die Hoffnung, dass das Fasten und Wandern mir nochmal einen kleinen Schubser verpassen würde.

Was ich überhaupt nicht erwartet habe, was aber passiert ist, war das Gefühl der absoluten Ruhe und Gelassenheit, bedingt durch den immer gleichen Tagesablauf und die wenigen medialen Reize, die währenddessen auf mich eingeprasselt sind. Du kannst dir also sicherlich schon denken, wie meine Antwort auf die Frage lautet, ob ich noch einmal Fastenwandern gehen würde.

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Fastenwanderwoche: Was habe ich mitgenommen?

Ich würde jetzt gerne berichten, dass ich seit der Fastenwanderwoche komplett meine Ernährung, ach was, mein ganzes Leben umgekrempelt habe. Dass ich den Tag mit einer Morgenmeditation starte und mit Abendyoga beende und dass ich mich zwischendurch basisch und vorwiegend pflanzlich ernähre.

Fakt ist, dass ich genau jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, mit einem Milchhörnchen und mittelmäßigen Cappuccino im Zug sitze, nach einem Wochenende, das zwar schön und ereignisreich, aber auch ganz schön hektisch war.

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Ist die Achtsamkeit und Gelassenheit aus der Fastenwoche also komplett weg? Ja, ist sie – ziemlich oft. Aber ich kann damit jetzt besser umgehen. Ich habe einen Tipp Anettes beherzigt und mir bei einer der Fastenwanderung einen kleinen Stein mitgenommen, der seitdem in meiner Tasche wohnt. Immer, wenn ich mich überwältigt und gestresst fühle, nehme ich diesen Stein in die Hand. Ich denke an den Tagesbeginn am Meditationsplatz, an meine Füße in der eiskalten Ammer, den weichen Waldboden, die Berge und atme tief durch.

Mit dem Stein kann ich mich jedes Mal wieder für einen kurzen Moment dorthin zurückdenken und dieses Gefühl der Verbundenheit mit mir und der Natur wieder hochholen. Allein dafür hat sich das Fastenwandern schon gelohnt. Und wenn ich mal wieder irgendwie im Alltagsstress verliere, dann weiß ich, dass ich mich mit einer Fastenwanderwoche wieder finden kann.

Information Fastenwandern

Relaxt Fasten mit Anette
Anette Mayr bietet verschiedene Fastenwander-Angebote an, immer in Verbindung mit Yoga. Die Fastenwanderungen finden mehrmals im Jahr statt – aktuelle Termine findest du hier.
Demnächst erfährst du hier auf diesem Blog noch mehr über Fastenleiterin Anette, ihren Ansatz und die Fastenwanderungen!