chicago food guide typische gerichte

Chicago Food Guide: Diese 10 Gerichte musst du essen!

Chicago ist ein Schmelztiegel der Kulturen – und das spiegelt sich auch in der Küche wider. Von der ikonischen Deep-Dish-Pizza bis hin zu unerwarteten Kreationen wie dem Jibarito: Hier gibt es viel zu entdecken. Ich habe einige meiner Favoriten zusammengestellt, aber auch Gerichte, die auf meiner „Must Eat“-Liste stehen. Denn eines ist sicher – Chicago wird kulinarisch nie langweilig.

Was Chicago kulinarisch so besonders macht, hat viel mit der Stadtstruktur zu tun: Die Stadt ist in 77 Community Areas aufgeteilt, und jedes Viertel trägt seine eigene Einwanderergeschichte auf der Speisekarte. In Pilsen dominieren mexikanische Panaderías und Taquerias, in Lincoln Square gibt es noch heute deutsches Bier und Würste, in Humboldt Park ist die puerto-ricanische Küche zuhause. Diese kulinarische Vielfalt nach Stadtteilen habe ich in meinem Artikel über Chicagos kulinarische Viertel genauer aufgeschlüsselt.

Chicago ist auch eine Stadt der Einwanderer in zweiter und dritter Generation – polnische Metzger, griechische Bäcker, mexikanische Köche, äthiopische Restaurantbesitzer. Viele von ihnen haben nicht nur ihre Rezepte mitgebracht, sondern auch ihre Einkaufsgewohnheiten. Der Maxwell Street Market, gegründet um 1900 von jüdischen Einwanderern aus Osteuropa, war jahrzehntelang das kulinarische Herzstück der Stadt – bis zur Verdrängung durch Stadtentwicklung in den 1990er-Jahren. Sein Erbe lebt weiter: in den Polish Sausage Sandwiches, die an Ecken rund um die South Side noch immer verkauft werden, und im Maxwell Street Polish, der heute in fast jedem Hot-Dog-Imbiss auftaucht.

1. Deep-Dish Pizza: Chicagos typische Pizza

Die Deep-Dish-Pizza ist eine Institution, die den Begriff „Pizza“ neu definiert. Mit ihrem buttrigen Teig, der dicken Tomatensauce und dem geschmolzenen Käse ist sie mehr als nur ein Gericht – sie ist ein Erlebnis, und zwar ein sehr kalorienreiches.

Ein kurzer Exkurs in die Geschichte: Die Deep-Dish-Pizza wurde 1943 in der Pizzeria Uno erfunden, von Ike Sewell und Riccardo Mia, angeblich um eine sättigendere Alternative zur New Yorker Dünnschnittpizza zu schaffen. Die Pizzeria Uno gibt es noch immer an der Ecke Ohio Street und Wabash Avenue, und auch wenn die Kette längst landesweit expandiert ist, bleibt der Originalstandort eine Pilgerstätte. Der Streit darüber, ob Deep Dish überhaupt als Pizza zählt, gehört in Chicago zum Smalltalk wie das Wetter und fällt ähnlich hitzig aus.

Und wo bitte gibt es nun die beste Deep Dish Pizza? Chicago bietet eine riesige Auswahl: Lou Malnati’s hat über 60 Filialen allein in der Stadt. Ihre Version ist bekannt für den knusprigen Teig und frische Tomaten. Übrigens: meine kulinarische Instanz Anthony Bourdain war kein Fan von Deep Dish und zog die New Yorker Pizza vor – mit einer Ausnahme: Burt’s Place in Morton Grove, etwa 20 km nordwestlich von Chicago.

Eine dritte Option für Kenner: Pequod’s Pizza in Lincoln Park. Die Pfanne ist aus Gusseisen, der Käserand karamellisiert beim Backen fast schwarz. Ein anderes Erlebnis als Lou Malnati’s, aber für viele Chicagoer die überzeugendere Version.

Deep Dish Pizza
Sieht harmlos aus, ist aber sehr mächtig: Deep Dish
Lou Malnatis Deep Dish Pizza Chicago essen
Lou Malnati’s
beste deep dish pizza in chicago
Eine der vielen Filialen von Lou Malnati’s
Chicago essen deep dish pizza
Lou Malnati’s

2. Chicago-Style Hot Dog: Alles, nur kein Ketchup

Ein Chicago-Style Hot Dog ist mehr als ein Snack – er ist eine Kunstform. Von leuchtend grünem Relish bis hin zu knackigem Dill-Pickle: Die Kombination ist ein echtes Geschmacksabenteuer. Aber Achtung: Ketchup ist ein absolutes No-Go. Fragst du danach, erlebst du den ruppigen Humor des Personals hautnah.

Wenn du den original Chicago Hot Dog probieren willst, hast du in der Windy City diverse Möglichkeiten.

Portillo’s mit seinen zahlreichen Filialen ist ein Klassiker und The Wieners Circle (2622 N Clark St) bietet nicht nur großartige Hot Dogs, sondern auch einen guten Schuss Unterhaltung – besonders spätabends. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, solltest du unbedingt einen Chicago Hot Dog im Superdawg probieren, einem Drive-In im 50er-Jahre-Stil.

Chicago essen chicago hot dog
Chicago Hot Dog
chicago essen hot dog
The Wiener Circle

3. Italian Beef Sandwich: The Bear gefällt das

Dieses Sandwich ist Chicagos Antwort auf die Frage „Wie viel Geschmack passt zwischen zwei Brotscheiben?“ Zartes, in Brühe getränktes Rindfleisch, gewürzt mit einer Prise Geschichte.

Bei meinem letzten Chicago-Aufenthalt wollte ich unbedingt bei Mr. Beef on Orleans (666 N Orleans St) vorbeischauen, das als Vorbild für die Serie The Bear diente. Der Laden ist unprätentiös und der Besuch ein Erlebnis für sich. Wenn du das Personal glücklich machen willst, weißt du beim Bestellen bereits, ob du dein Italian Beef saftig, trocken oder medium essen willst, hast du das Geld passend und stellst dich ordentlich in die Schlange.

Wie der Besuch bei Mr. Beef wirklich abläuft — von den 16 Hausregeln bis zur richtigen Bestellformel — habe ich in meinem Artikel über Chicagos kulinarische Viertel ausführlicher beschrieben.

Übrigens: Wenn du noch ein günstiges Hotel in Chicago suchst, nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich Found Chicago powered by Sonder*, mit Self-Check-In und einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

chicago essen mr beef hot italian beef
Mr. Beef
chicago essen italian beef
Italian Beef Sandwich

4. Garrett Popcorn: Der berühmte Chicago Mix

Popcorn ist hier nicht einfach Popcorn. Der „Chicago Mix“ von Garrett Popcorn Shops – Karamell- trifft Käsepopcorn – klingt erstmal ungewöhnlich, entpuppt sich aber als süchtig machende Kombination. Die erste Garrett-Filiale eröffnete 1949 in der West Madison Street. Die Gründerin Gladys Otto Garrett brachte ihre Familienrezepte nach Chicago.

Garrett hat heute mehrere Filialen, darunter auch am Flughafen O’Hare. Egal, wo du es kaufst – es wird nicht bei einer kleinen Tüte bleiben. Was den Chicago Mix so besonders macht, ist der Kontrast: Das salzige, fettige Käsepopcorn trifft auf karamellisierten Zucker, der leicht klebrig am Zahn haftet. Die meisten probieren es zuerst skeptisch und kaufen dann die nächstgrößere Tüte. Die Schlangen vor den Filialen in der Magnificent Mile sind kein Zufall: Garrett ist seit Jahrzehnten eines der wenigen Produkte, das Touristen tatsächlich nach Hause mitnehmen. Beim Kauf empfiehlt sich die mittlere Größe. Die große Tüte sieht nach einem guten Deal aus, aber du wirst sie nie aufessen. Oder doch.

Garrett's Popcorn Chicago essen
Garrett’s Popcorn

5. Der Brownie – erfunden in Chicago!

Der Fudge-Brownie wurde in Chicago erfunden, und im Palmer House Hilton kann man das Original noch heute probieren. Eventuell will man dich dafür in einen kleinen Coffee-Shop schicken, der sich im Hotel befindet – den Brownie kannst du aber auch direkt an der Bar in der edlen Lobby bestellen, was die eindeutig bessere Wahl ist.

Auf einer Fahrradtour durch Chicago habe ich im Bittersweet Pastry Shop einen Brownie entdeckt, der dem Klassiker ernsthafte Konkurrenz macht – mein Favorit für Brownies in Chicago.

Der Palmer House Brownie ist kein gewöhnlicher Brownie. Das Original-Rezept ist seit 1893 nahezu unverändert: dunkle Schokolade, Walnüsse, eine Aprikosenglasur obendrauf als unverwechselbares Merkmal. Entwickelt wurde er auf Geheiß von Bertha Palmer, damals Herrin des Hotels und gesellschaftliche Größe Chicagos, die ein dessertfähiges Fingerfood für die Damengesellschaft der Weltausstellung brauchte. Die Lobby des Palmer House ist allein schon einen Besuch wert: vergoldete Deckengemälde, Kronleuchter, eine Grandeur, die in dieser Form kaum noch existiert.

chicago essen brownie
Original Fudge Brownie
chicago essen brownie
Die Lobby im Palmer House
chicago essen brownie
Brownie aus der Bittersweet Bakery

6. Jibarito: Puerto Rico trifft Chicago

Der Jibarito ist nicht nur ein geschmackliches Highlight, sondern auch ein Stück Chicagoer Food-Geschichte. Laut einer Legende wurde das Sandwich 1996 von Juan Figueroa im Borinquen Restaurant erfunden — mitten im Humboldt Park, dem Herz der puerto-ricanischen Community in Chicago. Das Viertel ist geprägt von der Paseo Boricua, einer Meile mit zwei stählernen puerto-ricanischen Flaggen als Stadttor, flankiert von Restaurants, Bäckereien und Musikclubs. Das Sandwich besteht aus dünn geschnittenem Steak oder anderem Fleisch, knackigem Salat, Tomaten, einer knoblauchhaltigen Mayonnaise und Käse — serviert zwischen zwei frittierten, flachen Kochbananen statt Brot. Ich kann es kaum erwarten, diese Kombination bei meinem nächsten Chicago-Besuch bei Papa’s Cache Sabroso zu probieren.

7. Rainbow Cone: Regenbogen-Eis in fünf Farben

Der Rainbow Cone ist seit 1926 ein fester Bestandteil der Chicagoer Esskultur. Erfunden wurde er von Joseph Sapp, der seinen ersten Laden im Viertel Beverly auf der Südseite der Stadt eröffnete — und die Familie Sapp betreibt ihn bis heute. Das Eis besteht aus fünf Schichten: Orangen-Sorbet, Pistazie, Palmer House (Vanille mit Kirschen und Walnüssen), Erdbeere und Schokolade. Der Original-Standort befindet sich in der 9233 S Western Avenue; wer lieber zentral bleiben möchte, findet eine neuere Filiale am Navy Pier. Ein ultrafotogenes Vergnügen — und eines der wenigen Chicagoer Originale, das seit fast 100 Jahren unverändert geblieben ist.

8. Polish Sausage: Bratwurst-Sandwich

Die polnische Wurst ist in Chicago ein beliebter und sättigender Snack. Bei Jim’s Original gibt es seit 1943 das „Original Maxwell Street Polish Sausage Sandwich“. Die Kombination aus Wurst, Zwiebeln und Gewürzen ist ein Klassiker, der weltweit Nachahmer gefunden hat.

Bei einem Ausflug zum Montrose Beach bin ich in Uptown urplötzlich aus dem Bus gesprungen, weil ich einen vielversprechenden Imbiss entdeckt hatte. Jakes Pup In the Ruf an der Ecke Montrose/ N. Sheridan Road war den ungeplanten Zwischenstopp wert: Neben Polish Sausages gibt es dort auch andere Sandwiches und typisch amerikanisches Frühstück.

Die Polish Sausage hat in Chicago tiefe historische Wurzeln. Der Maxwell Street Market, lange ein offenes Freiluftmarkt-Labyrinth in der Near West Side, war ab dem frühen 20. Jahrhundert das Zentrum polnischer, jüdischer und später mexikanischer Einwanderer. Jim Elmardi, der Gründer von Jim’s Original, eröffnete seinen Stand 1943 genau dort. Als die Universität Illinois in den 1990ern das Gelände abriss, verlegte er seinen Stand und der Kult blieb. Heute steht Jim’s Original an der Ecke South Union Avenue und West Maxwell Street, offen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

chicag essen polish sausage
Polish Sausage

9. Craft Beer in Chicago

IPA-Fans aufgepasst – Chicago hat eine florierende Craft-Beer-Szene. Einer der besten Orte, um lokale Biere zu probieren, ist die Murphy’s Bleachers, eine legendäre Sports-Bar neben dem Wrigley-Field-Stadion. Neben einer beeindruckenden Craft-Beer-Auswahl findest du hier auch jede Menge Baseball-Memorabilia an den Wänden.

Sehr beliebt für Craft Beer sind zudem The Beer Temple mit großem Taproom, das hippe Bangers & Lace, das zum Bier handgemachte Sausages serviert oder das Old Town Pour House, wenn du es etwas schicker magst (mit Restaurant).

Wer es etwas lokaler mag: Revolution Brewing in Logan Square ist eine der bekanntesten Chicagoer Craft-Brauereien überhaupt — mit Taproom und Bierrestaurant unter einem Dach. Half Acre Beer Company in North Center ist kleiner, aber unter Einheimischen ähnlich beliebt, besonders für ihre experimentellen Saisonsorten.

Craft Beer Bar Chicago Murphy's Bleachers
Murphy’s Bleachers

Malort: Chicagos bitterer Geheimtipp

Kein Chicago-Besuch ohne Malort. Wer an einer lokalen Bar ein Bier bestellt und ein bisschen Gesprächsstoff sucht, fragt einfach nach einem Jeppson’s Malort Shot. Das Ergebnis: belustigte Gesichter, ein kurzes Zögern beim Personal, dann der Shot. Ein bitteres, pflanzliches Destillat, irgendwo zwischen Kamillentee und Reue. Malort ist eine Chicago-Eigenheit: Der schwedische Einwanderer Carl Jeppson brachte das Rezept im frühen 20. Jahrhundert mit und verkaufte es zunächst als Medizin. Wer ihn besteht, gilt als Chicagoer. Erhältlich in fast jeder Stammkneipe der Stadt, am authentischsten in einer echten Neighborhood Bar abseits der Touristenmeile.

10. Virtue Restaurant: Soulfood mit Stil

Mein Insider Tipp für Essen in Chicago: Das Virtue Restaurant im Szenebezirk Hyde Park kombiniert Fine Dining mit einer entspannten, bodenständigen Atmosphäre. Schick, aber nicht abgehoben – eine ganz besondere Mischung, die man so selten findet. Hinter dem Konzept steht Chef Erick Williams, ein gebürtiger Chicagoer und James Beard Award-Gewinner. Sein Ansatz: Essen als Ausdruck von Respekt und Gemeinschaft – und das spürt man in jedem Gericht.

Ich war vor allem von den Southern Mac and Cheese begeistert. Cremig, würzig und einfach unfassbar gut – so muss das sein. Die Cocktails sind ebenfalls großartig, aber auch die alkoholfreien Kreationen können locker mithalten. Mein Favorit: der Sorrel Fizz mit Hibiskus, Rosmarin, Vanille und Sparkling Water – ein absoluter Genuss.

Virtue bringt die Südstaatenküche auf ein neues Level und bleibt dabei überraschend zugänglich – das spricht sich natürlich herum, deshalb solltest du unbedingt vorab reservieren.

chicago essen virtue retaurant
Virtue Restaurant

Chicago kulinarisch entdecken — mit einer Food Tour

Wer die Gerichte dieses Guides nicht einzeln abklappern, sondern im Zusammenhang erleben will, ist mit einer geführten Food Tour gut beraten. Die „Yes Chef!“-Tour führt zu den Originalschauplätzen aus The Bear — Mr. Beef, Margie’s Candies in Bucktown, Roeser’s Bakery in Humboldt Park. Die „Bikes, Bites & Views“-Tour von Bobby’s Bike Hikes verbindet Fahrrad, Gold Coast und die klassischen Chicagoer Lebensmittelgruppen. Beide Touren und die Viertel dahinter habe ich in meinem Artikel über Chicagos kulinarische Viertel ausführlich beschrieben.

Offenlegung: Diese Recherche erfolgte innerhalb mehrere Reisen nach Chicago, teils privat, teils auf Einladung von Enjoy Illinois. Vielen Dank für die Unterstützung! // Dieser Artikel enthält Affiliate Links (mit einem * gekennzeichnet oder als Werbe-Einschub von GetyourGuide). Wenn du etwas über diesen Link buchst oder kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, während sich für dich nichts am Preis ändern sollte. Vielen Dank für den Support meiner Arbeit!