hudson valley higlights tips
Blick auf Mohonk Mountain House

Hudson Valley, New York: Meine Highlights zwischen Kunst, Natur und kleinen Städten

Zuletzt aktualisiert am 5. Oktober 2026

Es gibt Regionen, die keine zwei Autostunden von einer der bekanntesten Städte der Welt entfernt liegen — und die bei deutschen Reisenden trotzdem kaum bekannt ist. Das Hudson Valley ist so eine. Abgesehen von einer zugegebenermaßen etwas skurrilen Traumschiff-Folge zu Weihnachten 2024 hat die Region hierzulande nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient. Dabei liegt hier alles nah beieinander: alte Herrenhäuser über dem Fluss, Kunst und Natur, die miteinander verschmelzen, ein viktorianisches Grandhotel am Bergsee, Apfelhöfe mit Geschichte, kleine Städtchen mit sehr guten Restaurants.

Ich kenne das Hudson Valley seit den 90ern, als ich als Au-pair in Connecticut lebte und wir im Herbst oft nach New York State gefahren sind, wenn die Wälder am Hudson in Rot, Orange und Gold leuchteten. Dieses Bild hat sich eingegraben. Seither komme ich immer wieder und entdecke jedes Mal etwas Neues.

hudson valley mohonk mountain preserve
Ein Hihglight im Hudson Valley: Mohonk Mountain Preserve

Was ist das Hudson Valley?

Das Hudson Valley bezeichnet das Gebiet entlang des Hudson River, der von Albany aus rund 240 Kilometer südwärts nach New York City fließt. Die Region ist überraschend groß: mehrere Counties, von Westchester im Süden bis Columbia County im Norden, mit historischen Herrenhäusern, Kunstzentren, kleinen Städtchen, Weingütern, Obstfarmen und State Parks. Als Tagesausflug aus New York City ist die Region grundsätzlich möglich — aber wer nur einen Tag hat, verpasst das Beste. Für ein echtes Gefühl braucht man mindestens drei bis vier Tage.

mohonk mountain house
Mohonk Mountain House

Mohonk Mountain House und die Shawangunk Mountains

Die Shawangunk Mountains, von allen hier nur „the Gunks“ genannt, sind eine Bergkette aus weißem Quarzkonglomerat, die sich rund 150 Kilometer nördlich von New York City durch Ulster County zieht, zwischen dem Hudson River und den Catskills. Für Kletterer ist der Name ein Begriff weit über die USA hinaus: horizontale Felsspalten, markante Überhänge, über tausend dokumentierte Routen. Für alle anderen ist es eine Landschaft, die man auch ohne Seilzeug erleben kann, mit mehr als 135 Kilometern Wanderwegen und breiten Carriage Roads durch Wälder und an Felsvorsprüngen entlang, mit Blick auf das Hudson Valley und die Catskills dahinter.

Mitten in diesem Gelände, direkt am Ufer des Lake Mohonk, liegt das Mohonk Mountain House. Das viktorianische Hauptgebäude wurde 1869 von den Quäker-Brüdern Albert und Alfred Smiley gebaut, und das Haus gehört bis heute der Familie. Ich habe eine Nacht dort verbracht und am Morgen mit Blick über den See auf die Felswände der Shawangunk Mountains gefrühstückt. Mohonk hat das, was amerikanische Grandhotels oft behaupten und selten einlösen: echten Charakter.

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist eine Idee, die Gründer Albert Smiley schon beim Aufbau des Resorts verfolgte: die Gäste schrittweise nach draußen zu locken. Vom Zimmer auf den Balkon, von der Veranda in den formalen Garten, vom Gartenweg in den Wald. Die kleinen hölzernen Aussichtspavillons, die bis heute zwischen Felsen und Bäumen stehen, waren dabei so etwas wie Außenposten der Zivilisation, kleine Zwischenstationen, von denen aus man weiterschaute und irgendwann tiefer im Wald war, als man geplant hatte. Ab 1879 entstanden kilometerlange Carriage Roads, die nicht den schnellsten Weg, sondern die schönste Aussicht suchten. An Wegschildern steht bis heute: „Slowly and quietly.“

Tagsüber gibt es Wanderwege durch den umliegenden Wald, ein Spa, Tennisplätze, Ruderboote auf dem Lake Mohonk und Führungen durch das historische Haus. Fernseher gibt es in den Zimmern übrigens keine, WLAN aber schon und mein Zimmer hatte sogar einen offenen Kamin.

📍 1000 Mountain Rest Rd, New Paltz, NY 12561 · mohonk.com

hudson valley higlights tips
Blick auf Mohonk Mountain House
Mohonk Mountain House
Mohonk Mountain House

Kunst unter freiem Himmel

Dass das Hudson Valley Künstler anzieht, hat Tradition. Die Hudson River School, eine der bedeutendsten Malerbewegungen Amerikas im 19. Jahrhundert, entstand genau hier. Wie gut Menschengemachtes und Natur zusammenpassen können, zeigt sich im Valley ganz ohne Museum.

Storm King Art Center

Storm King Art Center im Orange County ist einer der Orte, bei denen ich immer wieder merke, dass Fotos einfach nicht reichen. Auf einem ehemaligen Farmgelände von über 200 Hektar stehen großformatige Skulpturen von Alexander Calder, Mark di Suvero und Richard Serra in der Landschaft, auf Hügeln, in Tälern, am Hang, am Waldrand. Die Natur ist hier nicht Kulisse, sie ist Teil des Kunstwerks.

Ich war an einem Oktobertag in Storm King, die Blätter schon halb rot und orange. Das Gelände ist riesig — ich bin zunächst mit einem offenen Buggy eine Runde übers Gelände gefahren, der einen gemütlich von Stop zu Stop kutschiert, und bin dann zu Fuß weitergegangen. Plane mindestens einen halben Tag ein, eher einen ganzen.

📍 1 Museum Rd, New Windsor, NY 12553 · stormking.org

Storm King Art Center Hudson Valley
Storm King Art Center
Storm King Art Center Hudson Valley
Storm King Art Center

Walkway Over the Hudson

Die ehemalige Eisenbahnbrücke überquert den Hudson River in einer Höhe von gut 60 Metern, und das ist spürbar: Der Wind kommt aus beiden Richtungen gleichzeitig, unter dir zieht der Fluss seine Bahn, und links und rechts öffnet sich das Tal so weit, dass man versteht, warum Maler der Hudson River School genau hier immer wieder ihre Staffeleien aufgestellt haben.

2009 wurde die Brücke zur Fußgängerbrücke umgebaut und ist heute mit rund 2,1 Kilometern eine der längsten ihrer Art weltweit. Bei klarem Wetter reicht der Blick bis zu den Catskills. Der Zugang ist auf der Highland-Seite im Westen und der Poughkeepsie-Seite im Osten möglich. Für den Weg und zurück rechnet man etwa eine Stunde, mehr wenn man zwischendurch stehenbleibt, und das wird man.

📍 Westeingang: 87 Haviland Rd, Highland, NY 12528 · walkway.org

Historische Anwesen und Gärten

Im 19. Jahrhundert galt das Hudson Valley als der Sommerrückzugsort der New Yorker Oberschicht. Für die großen Familien der Stadt war ein Landsitz am Fluss so selbstverständlich wie heute ein Ferienhaus auf dem Land. Den guten Geschmack, den sie dabei bewiesen haben, kann man bis heute besichtigen.

Hyde Park: Roosevelt, Vanderbilt und Beatrix Farrand

Hinter Hyde Park verbergen sich gleich mehrere Geschichten. Nimm‘ dir mindestens einen halben Tag, um ihnen gerecht zu werden. Alle drei Anwesen liegen auf wenigen Kilometern entlang der Route 9, gut zu Fuß oder mit dem Auto zu verbinden.

Franklin D. Roosevelt wurde 1882 in Springwood geboren und kehrte sein ganzes Leben dorthin zurück, als Rückzugsort, als Arbeitsplatz, und schließlich als letzte Ruhestätte. Sein Haus (offiziell: Home of Franklin D. Roosevelt National Historic Site) ist erstaunlich schlicht für einen Mann, der die USA durch Depression und Weltkrieg geführt hat. Ein Landhaus mit Holzveranden, ein Rosengarten, und dahinter ein Gemüsegarten, der tatsächlich Gemüse produziert: Was dort wächst, wird bis heute über die lokale Organisation Dutchess Outreach an Menschen in der Region weitergegeben. Geschichte ist hier nicht eingefroren, sie trägt noch immer etwas bei.

Direkt daneben liegt Bellefield, das Anwesen der Roosevelts-Nachbarn, die Newbolds. Hinter einer Mauer findet sich dort ein formaler Garten, gestaltet von Beatrix Farrand, 1899 das einzige weibliche Gründungsmitglied der American Society of Landscape Architects. Die Anlage spielt mit Perspektive: Durch eine erzwungene Tiefenstaffelung wirkt der Garten länger als er ist, ein bemerkenswerter Trick, der erst auffällt, wenn man ihn kennt.

Keine zwei Kilometer weiter steht die Vanderbilt Mansion, und der Kontrast zum bescheidenen Roosevelt-Anwesen ist kaum zu übertreffen. Frederick und Louise Vanderbilt kauften hier 1895, und was sie bauten, war ein Palazzo mit Marmorsälen, vergoldeten Decken und Terrassenanlagen nach europäischem Vorbild. Den Unterschied zwischen beiden Häusern zu erleben, ist eine sehr amerikanische Geschichtsstunde über Klasse, Macht und den Begriff des öffentlichen Dienstes.

Wer noch einen Abend in Hyde Park verbringt: Das Culinary Institute of America liegt gleich um die Ecke, eine der renommiertesten Kochschulen der USA — und weil die Studierenden dort für die Öffentlichkeit kochen und Ehrgeiz zum Lehrplan gehört, isst man in der Regel ausgezeichnet. Eine schöne Art, einen langen Erkundungstag zu beenden.

📍 FDR Home (Springwood): 4097 Albany Post Rd, Hyde Park, NY 12538 · nps.gov/hofr 📍 Vanderbilt Mansion: 119 Vanderbilt Park Rd, Hyde Park, NY 12538 · nps.gov/vama 📍 Culinary Institute of America: 1946 Campus Dr, Hyde Park, NY 12538 · ciachef.edu

Home of Franklin D. Roosevelt National Historic Site
Home of Franklin D. Roosevelt National Historic Site
Bellefield & Eingang zum Beatrix Farand Garden
Vanderbilt Mansion National Historic Site
Vanderbilt Mansion National Historic Site

Olana State Historic Site

Stell dir vor, du bist einer der bekanntesten Maler deiner Zeit, du hast Vulkane in Ecuador gemalt, Eisberge im Nordatlantik, Sonnenuntergänge über dem Nahen Oste. Und dann kaufst du dir eines Tages einen Hügel über dem Hudson River und beschließt, die Landschaft selbst zu deinem größten Kunstwerk zu machen. Genau das hat Frederic Edwin Church getan, Schüler von Thomas Cole und einer der wichtigsten Vertreter der Hudson River School.

Was mich an Olana so fasziniert: Nichts davon war einfach schon da. Der See, der heute das Herzstück des Anwesens bildet und sich malerisch zwischen Wiesen und Wald spiegelt, war früher ein Sumpf. Church arbeitete mit Theodore Cole, dem Sohn seines Lehrers, daran, das Gebiet auszuheben, den fruchtbaren Schlamm auf die felsigen Hänge zu verteilen, Bäume zu pflanzen, Wege zu legen. Fast zwanzig Jahre. Als er 1884 die Ridge Road anlegen ließ, von der aus sich Blicke auf vier Bergketten öffnen, schrieb er an einen Freund: „I can make more and better landscapes in this way than by tampering with canvas and paint in the studio.“ Wenn du das weißt und dann durch Olana läufst, siehst du alles mit anderen Augen.

Das Haus selbst, 1872 bezogen, kombiniert Einflüsse aus dem Nahen Osten und Ostasien: Es ist bunt, verspielt, überraschend, und liegt dabei so selbstverständlich in der Landschaft, als wäre es immer schon dort gewesen. Die Wege drum herum erzeugen Ansichten wie Gemälde: Der Hudson verschwindet hinter Bäumen, Zweige rahmen die Catskills am Horizont.

Ich kann dir nur empfehlen: Das Gelände ist auch ohne Ticket zugänglich, und der späte Nachmittag ist der schönste Moment, wenn das warme Licht auf den Fluss fällt. Wer mit dem Auto kommt, fährt über die Rip Van Winkle Bridge — und hat dabei schon den ersten, wirklich beeindruckenden Blick auf das Haus oben auf dem Hügel. Auf der anderen Flussseite liegt übrigens die Thomas Cole National Historic Site, die über den Hudson River Skywalk mit Olana verbunden ist, falls du beide Orte verbinden möchtest. 2026 ist außerdem Churches 200. Geburtstag, mit einer eigenen Ausstellung über sein internationales Werk.

📍 5720 NY-9G, Hudson, NY 12534 · olana.org

Olana

Innisfree Garden

Innisfree Garden bei Millbrook wurde vom Künstler Walter Beck und seiner Frau Marion angelegt, zunächst als englischer Garten mit ordentlichen Beete und symmetrischen Wegen. Dann entdeckte Beck die chinesische Gartenkunst der Tang-Dynastie, und alles, was er bisher gebaut hatte, erschien ihm plötzlich als falsche Antwort auf diese felsige, unregelmäßige Landschaft. Was er stattdessen schuf, nannte er Cup Gardens: kleine, abgeschlossene Räume, die sich aus dem Gelände heraus ergeben. Da wird ein Felsen zum Rahmen, eine Mulde bildet den Untergrund und Wasser dient als natürliche Grenze.

Der Landschaftsarchitekt Lester Collins arbeitete ab Ende der 1930er Jahre mit den Becks und entwickelte Innisfree über Jahrzehnte weiter, auf heute rund 75 Hektar. Das Ergebnis ist eine Landschaft, bei der man ständig das Gefüh hatl, um die nächste Kurve biegen zu müssen, weil da bestimmt noch etwas Schönes wartet.

Innisfree Garden ist von Mai bis Oktober geöffnet, nur an bestimmten Tagen in der Woche. Vorab solltest du daher unbedingt die Öffnungszeiten prüfen.

📍 362 Tyrrel Rd, Millbrook, NY 12545 · innisfreegarden.org

Innisfree Garden
Innisfree Garden

Die schönsten Städtchen im Hudson Valley

Entlang des Hudson River reihen sich Städtchen aneinander, jedes mit seiner eigenen Geschichte und seinem eigenen Vibe: das bohèmehafte Woodstock, das quirlige New Paltz, das malerische Cold Spring am Fluss. Rhinebeck und Hudson haben mir dabei besonders gut gefallen.

Rhinebeck

Rhinebeck ist ein Städtchen im Dutchess County und sehr beliebt als Wochenende-Ausflugsziel von New York City aus. Alte Backsteinbauten, gute Restaurants, ein unabhängiger Buchladen, ein Antiquitätenhändler nach dem anderen, und überall ein entspanntes Kleinstadt-Feeling.

Direkt an der Kreuzung im Ortszentrum steht das Beekman Arms, eines der ältesten Gasthäuser der USA. Das Haus mit seinen niedrigen Balkendecken und breiten Holzdielen besteht seit 1766. George Washington und Alexander Hamilton sollen hier eingekehrt sein, auf dem Weg durch das Hudson Valley. Die Tavern im Erdgeschoss ist bis heute ein guter Ort für ein Glas am Abend, mit genau dem richtigen Maß an historischer Patina. Übernachten kann man hier übrigens auch (nach Zimmer 21 fragen wenn du da übernachten willst, wo schon George Washington geschlaften hat).

📍 6387 Mill St, Rhinebeck, NY 12572 · beekmanarms.com

An der Montgomery Street liegt Samuel’s Sweet Shop, einer der bekanntesten Süßwarenläden des Hudson Valley. Bekannt auch deshalb, weil Schauspieler Paul Rudd und Jeffrey Dean Morgan ihn vor einigen Jahren gemeinsam übernahmen, als der Laden zu schließen drohte. Heute ist er wieder das, was er immer war: Bonbons, Schokolade, allerlei Süßigkeiten, und kleine Törtchen mit Paul Rudds Konterfei, die eigentlich zu schade zum Aufessen sind.

📍 6 E Market St, Rhinebeck, NY 12572 · samuelssweetshop.com

Zum Abendessen ist das Terrapin meine erste Adresse in Rhinebeck. Das Restaurant sitzt in einer ehemaligen Baptistenkirche von 1825, und man speist unter fast acht Meter hohen Decken mit freiliegenden Balken. Josh Kroner ist seit über 25 Jahren Küchenchef und Inhaber, er hat italienische Wurzeln und eine französische Kochausbildung. Auf der Karte stehen saisonale Gerichte mit lokalen Zutaten, aber einige Klassiker sind immer da: die Barbecue Duck Quesadilla, die seit dem ersten Tag auf der Karte steht, und Uncle Vinny’s Rigatoni nach dem Originalrezept von Kroners italienischem Großvater.

📍 6426 Montgomery St, Rhinebeck, NY 12572 · terrapinrestaurant.com

Beekman Arms Delamater Inn
Beekman Arms Delamater Inn
Beekman Arms Delamater Inn
Beekman Arms Delamater Inn

Hudson

Viele Städtchen im Hudson Valley haben eine gute Geschichte. Hudson hat zusätzlich die Architektur. Auf gerade einmal zwei Quadratkilometern wurden fast 300 historische Gebäude restauriert: viktorianische Fassaden, Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert, Erkerfenster, Gusseisen-Details. Eine der am dichtesten erhaltenen historischen Stadtlandschaften im ganzen Bundesstaat New York, und das sieht man beim Spaziergang sofort.

Hudson war einmal Handels- und Walfängerstadt, dann jahrzehntelang heruntergewirtschaftet, dann wiederentdeckt. Und zwar von genau den Leuten, die sonst in Brooklyn oder Williamsburg geblieben wären: Galeristen, Designer, Köche, Keramikerinnen, Vinylsammler. Mittlerweile laufen auf der Warren Street, der Hauptstraße, über 200 unabhängige Betriebe nebeneinander, und das Sortiment ist unwahrscheinlich für eine Stadt dieser Größe.

Ich könnte die Warren Street stundenlang ablaufen. Der Quiet Botanist, ein Laden für getrocknete Blumen und botanische Essenzen, der schon vom Eingang her riecht wie eine alte Kräuterkammer. John Doe Records, ein Plattenladen mit dem Gefühl einer gut sortierten Privatsammlung, die zufällig auch verkauft. Dazwischen Galerien, Antiquitätenhändler, Designläden, ein paar Keramikstudios. Für Antiquitäten gilt: auf der Warren Street gut schauen, aber etwas außerhalb oft besser verhandeln.

Zum Frühstück oder Mittag gibt es auf und rund um die Warren Street mehrere gute Cafés und kleine Läden, Talbott & Arding wird oft empfohlen.

Das Saint Florian, untergebracht in einer umgebauten Feuerwehrwache, ist für mich die erste Adresse zum Abendessen in Hudson. Ich war im Erdgeschoss, der Lounge, die ohne Reservierung und täglich geöffnet ist, und das hat gut gepasst: warme Atmosphäre, Backsteinwände, gute Drinks. Auf der Kartte stehen raffinierte Kleinigkeiten wie Confit Sunchokes mit Spiced Apple Butter, gebratener Atlantic Cod mit Yuzu-Tarragonsoße, ein Chopped-Wagyu-Sandwich mit Vidalia-Zwiebeln.

📍 Warren Street, Hudson, NY 12534 · saint-florian.com

Für Frühstück oder Mittagspause lohnt sich Little Rico, ebenfalls auf der Warren Street. Im puerto-ricanischen Café gibt’s Säfte, Smoothies, Frühstücksburritos, süßes Gebäck und natürlich richtig guten Kaffee.

📍 437 Warren St, Hudson, NY 12534 · littlerico.com

hudson warren street
Warren Street
Saint Florian Restaurant Hudson
Saint Florian

Farm to Table: Obstfarmen, Cider und Wein

Das Hudson Valley gilt als eine der besten Farm-to-Table-Regionen der Ostküste. Kein Zufall, dass viele Spitzenrestaurants in New York City von hier beziehen. Hunderte kleine Höfe, Apfelplantagen, Cidereien und Weingüter ziehen sich durch die gesamte Region.

Brotherhood Winery

Brotherhood Winery in Washingtonville ist das älteste kontinuierlich betriebene Weingut der USA. Gegründet im Jahr 1839, überstand Brotherhood sogar die Prohibition, weil das Weingut damals Messwein für die katholische Kirche produzierte. Das hat Brotherhood gerettet, während rundherum alle anderen Weinbaubetriebe schlossen, und der Stolz darüber ist noch heute spürbar, wenn man die unterirdischen Weinkeller aus dem 19. Jahrhundert betritt.

Die Keller sind das eigentliche Highlight des Besuchs: gewölbte Backsteingewölbe, die im Sommer kühl und dunkel sind, mit alten Eichenfässern entlang der Wände und dem Duft von Wein und feuchtem Stein. Man erwartet das eher in einem burgundischen Kloster als im Bundesstaat New York. Brotherhood liegt im Orange County und lässt sich gut mit einem Besuch bei Storm King verbinden, die beiden sind nur etwa 20 Minuten voneinander entfernt. Es gibt neben der regulären Weinprobe auch eine Kombitour von Tasting mit Kellerführung, ich würde dir letztere empfehlen, da bekommst du nämlich unter anderem sehr, sehr alte Weinflaschen zu Gesicht.

📍 100 Brotherhood Plaza Dr, Washingtonville, NY 10992 · brotherhood-winery.com

Harvest Moon Farm & Orchard

Harvest Moon Farm & Orchard in North Salem ist ein Zwischenstopp, den ich dir auf jeden Fall ans Herz legen möchte. Auf dem hügeligen Gelände stehen die Apfelbäume hangseitig in langen Reihen, und rund zehn Jahre nach dem Besitzerwechsel ist aus einer Obstfarm ein richtiger Agritourismus-Betrieb geworden: Im Sommer und Herbst kann man hier selbst Obst pflücken (ich bin auf dem Land aufgewachsen und in meiner Kindheit war das eine eher unbeliebte Pflichtaufgabe, aber für Städter ist das eine sehr begehrte Aktivität!); an Wochenenden spielen Bands auf dem Hof und Food Trucks servieren Street Food.

Cider ist hier aber nicht nur Mitnahmeartikel, er wird auf dem Hof produziert. Jährlich entstehen rund 38.000 Liter Hard Cider, die Ciderei platzt mittlerweile aus allen Nähten. Grundlage ist ein trockener Apfelwein, aus dem je nach Rezeptur Varianten mit Hopfen, Rote Bete oder einem Schuss frischem Apfelsaft werden.

Im Café kocht Gabe Sather Burger mit Rindfleisch aus der eigenen Herde. Ich hatte hier das beste Grilled Cheese, das ich jemals gegessen habe (keine Übertreibung): aus Gruyère, Apfelscheiben, Zwiebeln und scharfer Paprikamarmelade. Einen Salat mit Birnen. Ein süßes Highlight: Cider Donuts, in Zimtzucker gerollt und warm serviert. Der dazugehörige Farm Store lohnt sich ebenfalls: kleines, aber sehr gutes Sortiment aus Maple Syrup aus der Umgebung, Käse, Marmeladen, Cider.

📍 130 Hardscrabble Rd, North Salem, NY 10560 · harvestmoonfarmandorchard.com

Anreise und Fortbewegung

Aus Deutschland fliegt man direkt nach New York JFK oder Newark Liberty, von dort geht es weiter ins Hudson Valley. Mit dem Zug sind Rhinebeck und Hudson sehr gut erreichbar: Metro-North und Amtrak bedienen mehrere Stationen entlang des östlichen Flussufers, die Fahrt von Grand Central Terminal nach Rhinecliff dauert etwa zwei Stunden. Wer auch die Westseite des Flusses erkunden will — New Paltz für Mohonk, New Windsor für Storm King — kommt ohne Mietwagen kaum weiter.

Mit dem Auto fährt man über die I-87 (New York State Thruway) oder die US-9 entlang des Ostufers. Von Manhattan bis Rhinebeck sind es gut zwei Stunden, bis Hudson etwa zweieinhalb. Mein Tipp: auch wenn die Zugverbindung für den Einstieg reicht, lohnt sich ein Mietwagen für mehrere Tage — auch für die schönsten Orte und spontane Abstecher auf einen Obsthof oder ein Weingut.

Harvest Moon Farm & Orchard
Harvest Moon Farm & Orchard

Hudson Valley Bucket List

  • Einen Apple Cider Donut essen. Warm, in Zimtzucker gerollt, am besten direkt vom Obsthof. Einer reicht nie.
  • Blätterfärbung in den Shawangunks erleben. Die weiße Quarzkonglomerat-Bergkette leuchtet im Herbst in Farben, für die es kaum Worte gibt. Einfach hinfahren.
  • Mindestens eine Historic Site besuchen. Hyde Park, Olana, Vanderbilt Mansion — nimm die, die dich am meisten anzieht. Du wirst nicht enttäuscht sein.
  • Ein Bier trinken, wo Washington und Hamilton schon gezecht haben. Das Beekman Arms in Rhinebeck existiert seit 1766. Die Balkendecken sind noch original.
  • Die Warren Street in Hudson von einem Ende zum anderen schlendern. Plattenläden, Galerien, getrocknete Blumen, Keramikstudios — und irgendwo dazwischen einen sehr guten Kaffee.
  • Storm King Art Center einen ganzen Tag geben. Skulpturen von Calder, di Suvero und Serra in der Landschaft, Herbstlaub inklusive.
  • Sonnenuntergang von Olana aus schauen. Frederic Church hat diesen Blick über zwanzig Jahre inszeniert. Es lohnt sich, länger zu bleiben.
  • Hard Cider aus dem Valley trinken. Trocken, kalt, sehr Hudson Valley — in einer der Cidereien oder direkt auf dem Obsthof.
  • Die Walkway Over the Hudson laufen. 60 Meter über dem Fluss, Wind von beiden Seiten, Blick bis zu den Catskills. Kostenlos, und danach ist man sehr wach.
  • Auf der Parlor Porch in Mohonk frühstücken. Kaffee, Berge, Stille, See. Auch ohne Übernachtung möglich.

FAQ: Hudson Valley, New York

Wann ist die beste Reisezeit fürs Hudson Valley?

Das Hudson Valley ist das ganze Jahr über interessant, hat aber zwei Hochsaisons: den Herbst (September bis Anfang November), wenn das Laub der Laubwälder leuchtet und die Apfelsaison ihren Höhepunkt hat, und den Frühsommer (Mai bis Juni), wenn die Gärten blühen und die Seen sich erwärmen. Der Herbst ist die beliebteste und teuerste Zeit, Hotels früh buchen. Winter ist ruhig und kann sehr stimmungsvoll sein, viele Attraktionen haben dann aber eingeschränkte Öffnungszeiten.

Wie viele Tage sollte man fürs Hudson Valley einplanen?

Für einen ersten Eindruck reichen drei Tage, für Storm King, Mohonk, Rhinebeck, Hyde Park, Olana und Hudson zusammen mindestens fünf bis sechs. Die Region ist großflächig, und die schönsten Orte liegen nicht alle auf einer Linie. Ohne Mietwagen kommt man nicht weit.

Ist das Hudson Valley ein guter Tagesausflug von NYC?

Einzelne Orte wie Storm King oder Rhinebeck lassen sich als Tagesausflug machen, aber das Hudson Valley lebt von der Verlangsamung. Mit nur einem Tag fährt man besser direkt zu einem Ziel, anstatt mehreres abzuhaken. Für ein echtes Gefühl für die Region lohnen sich Übernachtungen.

Wo übernachtet man am besten im Hudson Valley?

Das hängt davon ab, welchen Teil der Region man erkunden will. Rund um Storm King und Brotherhood Winery bietet sich New Paltz oder Newburgh an. In Rhinebeck selbst gibt es gute Optionen, das Beekman Arms hat Zimmer direkt im Ortszentrum. Im nördlichen Hudson Valley sind Hudson oder Chatham gute Basen. Das Mohonk Mountain House ist für sich selbst ein Reiseziel.

Gibt es im Hudson Valley guten Wein?

Ja, das Hudson Valley hat eine lange Weinbaugeschichte. Brotherhood Winery ist das älteste Weingut der USA, andere empfehlenswerte Adressen sind Millbrook Vineyards & Winery und Tousey Winery. Die Weine sind durch das kältere Klima anders als kalifornische oder sogar Long-Island-Weine, aber durchaus interessant, besonders die Sorten aus kälteresistenten Rebsorten wie Traminette oder Baco Noir.

Hinweis: Mein Artikel entstand im Rahmen einer Recherchereise mit ILoveNY.com. Vielen Dank für die Einladung! Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber buchst oder ein Ticket reservierst, erhalte ich eine kleine Provision. Am Preis ändert sich für dich dadurch nichts.