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„Good Morning, washi washi!“ – jeder Morgen beginnt mit diesem Ritual. Bevor ich mir meinen Tee holen darf, werde ich freundlich, aber doch sehr bestimmt aufgefordert, mir meine Hände mit Desinfektionsmittel besprühen zu lassen. Das „washi washi“ ist ein fester Bestandteil meines Alltags auf dem Kreuzfahrtschiff Norwegian Jade, auf dem ich ein Wochenende verbringe, um von Southampton nach Hamburg zu fahren.

Es leitet mich vom Frühstück über das Mittagessen und den Nachmittagssnack zum Abendessen („Good evening, washi washi!). „Was macht man eigentlich den ganzen Tag auf so einem Schiff – essen?“ fragte mich eine Reisebloggerkollegin via Whatsapp und ich kann nicht anders, als dies zu bejahen. Das große Schlemmen, von morgens bis abends und dank des ständig verfügbarer Buffets ein nahtloser Übergang vom Frühstückstoast bis zum Dessert nach dem Dinner.

Zwischen das Essen schiebt man ein paar Aktivitäten: es gibt Tanzkurse, Wine-Tastings, Yogastunden, Karaoke-Wettbewerbe und Fußballturniere. Man kann sich zum gesunden Lifestyle beraten lassen, Kunst ersteigern oder sich vom Schiffsarzt ein paar Jahre jünger spritzen lassen. Oder man sichert sich einfach eine Liege am Pool und verbringt den Tag faul in der Sonne, mit Unterhaltung von Live-DJs und Coversängerinnen.

Nun ist es ja so, dass die meisten, anders als ich, nicht allein auf das Kreuzfahrtschiff gekommen sind. Die typischen Gäste auf meinem Cruise sind Paare im besten Alter, Familien mit kleinen Kindern sowie die ein- oder andere Jungsclique oder aber ein Junggesellinnenabschied. Aber auch für die, die alleine gekommen sind und das nicht bleiben wollen, gibt es eine Lösung: beim Solo Travellers Meetup am ersten Abend können sich die Alleinreisenden beschnuppern.

Ich bin hier, weil…ja warum eigentlich? Eine Kreuzfahrt ist auf keiner meiner „Before I die“-Listen zu finden und um glücklich zu sein, brauche ich eigentlich nur ein Zelt, die Natur und viel Ruhe. Und dann kommt sie, die Gelegenheit in Form einer Bloggerreise. So spontan wie die Anfrage meine Reaktion: das machen wir.

Und genau deshalb bin ich jetzt auf diesem Schiff und nach mittlerweile 30 Stunden habe ich den ersten Kulturschock verdaut und weiß, wie auch ich als Individualreiseverfechterin so eine Kreuzfahrt genießen kann.

 

Meine erste Kreuzfahrt: Mini Cruise von Hamburg nach Southhampton

Ideal für Einsteiger, die noch nie eine Kreuzfahrt gemacht haben und überhaupt nicht wissen, ob sie das toll finden oder nicht, ist ein so genannter Mini Cruise. Meine erste Kreuzfahrt führte mich an einem Wochenende von englischen Hafen Southampton nach Hamburg. Statt wochenlangem Rumschippern auf hoher See also eine Mini-Kreuzfahrt, die kurz und knackig ist: eingeschifft (ja, so heißt das tatsächlich) wird Freitag Nachmittag in Southhampton, von Bord gehe ich zwei Tage später in Hamburg. Idealerweise lässt sich so ein Mini-Cruise mit einem London Städtetrip verbinden, denn von London kommt man schnell und unkompliziert nach Southampton: entweder indiviudell per Zug oder mit dem Shuttlebus der Norwegian Cruise Line direkt vom Flughafen Heathrow.

Kreuzfahrt für Anfänger: So vermeidest du den Kulturschock auf deiner ersten Kreuzfahrt – 7 ultimative Tipps

kreuzfahrt tipps für anfänger

An Bord der Norwegian Jade

1. Verhalte dich antizyklisch

Falls du wie ich ein Earlybird bist: bingo! Das Frühstücksbuffet hat hier auf der Norwegian Jade ab 7 Uhr geöffnet, aber erst gegen 10 Uhr wird es so richtig voll. Wenn du zur Rush Hour (zugegebenermaßen nicht sehr lange) anstehen musst, um dir ein Omelette oder ein Crepe zubereiten zu lassen, ist es am frühen Morgen total entspannt. Und auch die schönsten Sitzplätze draußen auf Deck sind alle noch zu haben.

Es scheint, als sei die Masse der Kreuzfahrttouristen Spätaufsteher, zumindest war das bei meinem Cruise so, was für mich natürlich einen ziemlichen Vorteil bedeutete. Wer so früh ist, der wird mit einem leeren Pool und Hut Tub bewohnt. Spätestens ab 11 Uhr ist die Poolarea nämlich fest in der Hand von Partypeople und in so einen Hot Tub, in dem schon fünf gut gelaunte Ostwestfalen sitzen, will man ja auch nicht so wirklich.

Und was machst du, wenn du dich zwar gerne sonnen möchtest, aber deine Ruhe haben willst? Hier heißt das Zauberwort „Quiet Area – zone de tranquilité – Ruhezone.“ Ein Rückzugsort, an dem sich all die versammeln, die den Tag auf See einfach nur mit einem Buch auf dem Liegestuhl genießen wollen.

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Wenn mal alles zu viel wird auf der Kreuzfahrt: Rückzugsort Ruhezone

2. Sei gut zu deinem Cabin Steward

Mein Cabin Steward hieß Noel, kam von den Philippinen wie ein Großteil der restlichen Schiffscrew und war mein fester Anker in jedweder Situation. Klar, Servicemitarbeiter müssen von Berufs wegen nett sein, aber Noels Herzlichkeit ging über eine professionelle Höflichkeit weit hinaus. Nach einem anfänglichen Beschnuppern waren wir soweit, dass wir uns gegenseitig auf die Schippe nahmen. Ein bisschen streng wurde Noel, wenn ich mich mal wieder darüber beschwert habe, dass ich zuviel gegessen hatte: „Cruise is not for dieting! You can diet at home!“

Darüberhinaus erfreute mich Noel jeden Morgen mit einer neuen Kreation aus Handtüchern. Ich weiß nicht, ob das auch auf anderen Kreuzfahrtschiffen so ist, aber auf der Norwegian Jade ist Handtuchfalten ein großes Ding (man kann sogar einen Workshop darin belegen). An einem Morgen lachte mich ein Handtuch-Elefant an, am anderen eine Handtuchrobbe. Ich hab‘ mich natürlich das gesamte Wochenende nicht getraut, diese Kunstwerke aus Frottée zu zerstören. Vielleicht hat Noel ja irgendwo eine kleine Extrakabine, in der er seine kleine Familie an Handtuchsäugern hält und ihnen vor dem Einschlafen Gute-Nacht-Geschichten erzählt?

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Handtuchfalten ist ein großes Ding auf Kreuzfahrtschiffen.

3. Angst, seekrank zu werden? 3 Tipps gegen Seekrankheit auf dem Kreuzfahrtschiff

Wenn du noch nie eine Kreuzfahrt gemacht hast, dann weisst du vielleicht gar nicht, ob du seefest bist oder nicht. Mein letztes Erlebnis auf hoher See war vor ungefähr 25 Jahren, als ich mit der Fähre von Calais nach Dover übergesetzt bin. Ich erinnere mich nur dunkel, aber so viel weiß ich noch: ich habe in dieser Nacht die Fische gefüttert. Deshalb war ich auch einigermaßen nervös, wie es mir denn auf der Norwegian Jade gehen würde.

Es kam, wie es kommen musste: noch bevor das Kreuzfahrtschiff abgelegt hatte, war mir schwindlig. Obwohl der Luxuskreuzer nur leicht schwankte, vermisste ich das Gefühl von festem Boden unter meinen Füßen. Nachdem ich den ersten Tag still vor mich hin litt, beschloss ich, etwas dagegen zu unternehmen. Meine erste Maßnahme: den Kellner beim Frühstück fragen, was ich gegen den Schwindel und die Übelkeit tun kann. Ein exzellente Idee, denn natürlich sind auch Kreuzfahrtschiff-Mitarbeiter nicht automatisch gegen Seekrankheit gefeit und haben somit die besten Tipps parat. Diese drei Dinge haben mir dann letztendlich geholfen, und zwar relativ schnell:

  1. Ingwer. Falls du auf ein Kreuzfahrtschiff gehst und Angst davor hast, seekrank zu werden: Pack‘ Ingwer ein. Die Knolle wirkt zuverlässig gegen Übelkeit, am besten in der Form eines heißen Ingwertees. Falls du schon auf dem Kreuzfahrtschiff bist und keinen Ingwer zur Hand hast, ist Ginger Ale eine gute Alternative gegen Schwindel und Unwohlsein auf See.
  2. Frische Luft atmen und den Horizont fixieren. Glücklicherweise hatte ich eine Außenkabine mit Meerblick, das heißt ich konnte sehen, wie sich das Meer bewegte. Das ist gut für das Gehirn, denn wenn wir uns im Schiffsinnern befinden und das Wanken spüren, unser Auge aber nur unbewegliche Räume sieht, kommt da irgendwas durcheinander in unserem Kopf. Deshalb rate ich dir auf jeden Fall eine Kabine mit Fenster zu buchen, falls du Sorge hast, seekrank zu werden. Noch besser ist natürlich eine Balkonkabine. Die hatte ich leider nicht, stattdessen ging ich auf Deck und atmete die frische Seeluft ein und machte meinem Gehirn klar, dass wir uns tatsächlich auf dem Meer befinden und es völlig in Ordnung ist, dass mein Körper ein wankendes Schiff spürt.
  3. Ein Armband gegen Seekrankheit. Es mag sein, dass ein solches Armband mit Akupressurpunkten ein reines Placebo ist. Mir hat es geholfen. Armbänder gegen Seekrankheit bekommst du im Bordshop oder bei deinem Gästebetreuer. Immer, wenn ich wieder einen leichten Schwindel aufkommen spürte, hielt ich kurz inne, schaute auf mein Armband und sagte mir: alles wird gut. Und das wurde es. PS: Falls deine Übelkeit partout nicht weggehen will, gibt es ja immer noch den Schiffsarzt. Erkundige dich im Vorfeld über die Kosten, denn eine Behandlung beim Schiffsarzt wird nicht immer automatisch von deiner Reiseversicherung gedeckt.
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Hilft gegen Seekrankheit: Ginger Ale

4. In Ruhe lesen oder arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff? Logo, du musst nur wissen, wo.

Auf jedem Kreuzfahrtschiff gibt es Orte, an denen du deine Ruhe haben kannst, obwohl andere Leute um dich herum sind. Als es mir auf dem Sonnendeck dann doch zu windig wurde, habe ich mich für ein Stündchen in die Schiffsbibliothek zurückgezogen. Bücher zum Ausleihen, bequeme Sessel und das beste: ein Schreibtisch mit Meerblick, an dem ich diese Zeilen schreibe. Denn, auch wenn es nach außen hin vielleicht nicht danach aussieht: ich war zum Arbeiten hier.

Der angenehme Nebeneffekt meines Ocean-View-Arbeitsplatzes: der Schwindel, der mich sonst den ganzen Tag begleitet hat, ist so gut wie weg. Und die Ideen fließen. Vitamin Sea eben. So nah bin ich dem Klischee als Digitaler Nomade glaube ich noch nie gekommen – meinen Laptop und das Meer trennen gerade mal ein paar Meter. Am fernen Horizont sehe ich übrigens gerade Häuser im Licht der Abendsonne glitzern, die Position sagt Latitude 53.85335 Longitude 7.062567 und ich frage mich, ob ich da gerade tatsächlich an Norderney vorbeifahre und ob das überhaupt sein kann, dass man das so gut sehen kann. Landratte mit null Peilung eben.

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Schön ruhig: Bordbibliothek der Norwegian Jade

5. Despacito? Ja, und zwar beim Essen.

Auf manchen Schiffen gibt es offizielle Essenszeiten und so wie ich das von anderen Kreuzfahrtkundigen erfahren habe, ist das so ziemlich die Vorhölle. Da sammeln sich vor den jeweiligen Frühstücks-, Mittags- oder Abendessenszeiten eine Horde an Menschen, nur um wie Raubtiere zur Fütterung zu sprinten, sobald sich die Türen zum Essensraum öffnen.

Glücklicherweise war das auf der Norwegian Jade anders: hier gab es keine offiziellen Uhrzeiten, zu denen gegessen werden durfte, denn die Restaurants und Bistros waren die gesamte Zeit geöffnet. Das sorgt für Entspannung, denn Warteschlangen und Gedrängel gab es dort zu keiner Zeit. Andererseits war das auch eine echte Herausforderung für mich, denn: wenn es den ganzen Tag essen gibt, wie schaffe ich es dann, mich zu zügeln?

An Bord der Norwegian Jade gibt es so viele verschiedene Restaurants, à la carte oder Buffet, dass es nicht einfach ist, dort nicht ständig zu essen. (Lies hier meinen Artikel zur kulinarischen Auswahl auf der Norwegian Jade.) Nachdem ich es also an Tag 1 etwas übertrieben hatte mit der Nahrungszufuhr (hier noch ein extra für mich zubereitetes Crepe, dort ein englisches Scone und huch, da gibt es ja frisch gebackenes Naan-Brot zum indischen Curry…) ließ ich es an den folgenden zwei Tagen etwas langsamer angehen. Etwas!

Vor allem, wenn du zum ersten Mal auf dem Kreuzfahrtschiff bist, kannst du dich nicht von der ständig verfügbaren Fülle an Köstlichkeiten verführen lassen. Das heißt ja nicht, dass du all‘ die kulinarischen Kreationen nicht probieren darfst –sondern einfach nur, dass du dir Zeit beim Essen lässt. Es gibt nichts schöneres, als sich gemütlich hinzusetzen und seine Mahlzeit bewusst zu genießen, während dein Blick nach draußen auf das Meer schweift. Insofern: #gönndir, aber eben: despacito.

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6. Beweg‘ dich

Was hilft gegen einen Pasta- oder Kuchenbauch? Richtig, Bewegung. Auf der Norwegian Jade hatte ich viele Gelegenheiten, mich sportlich zu betätigen. Zu meiner allergrößten Freude gab es an Deck sogar einen Joggingtrack – ein großer Traum wurde wahr: einmal auf einem Kreuzfahrtschiff laufen gehen. Aus dem geplanten 5-Kilometer-Lauf an Bord eines Ozeanriesen wurde allerdings nur eine gemütliche Runde, die gerade mal 332 Yards, also um die 300 Meter lang war. Denn: es war an den zwei Tagen ganz schön windig hier oben und ich hatte ein bisschen Angst, dass es mich über die Reling wehen würde. Angesichts der Kuchen und Törtchen, die ich bis dahin verspeist hatte, eine total irrsinnige Sorge, aber nun gut.

Meinen Bewegungsdrang konnte ich dennoch auf vielfältige Weise befriedigen: neben ein wenig Gerätetraining im Fitnessstudio hat mir am meisten die Yogastunde gefallen. Die kostete zwar extra, die 12 € waren jedoch eine sehr gute Investition: mit nur einer anderen Kursteilnehmerin wurden wir zu Yoginis auf hoher See. Eines der schönsten Yogaerlebnisse, das ich je hatte. Andere Sportarten, die man an Bord ausüben konnte waren Fußball, Basketball, Tanzen, Shuffleboard (zählt das als Sport?), Pilates und natürlich alles, was man so im Pool machen kann.

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Nicht nur das Kreuzfahrtschiff bewegt sich, sondern im Idealfall auch du.

7. Go with the flow

Ich geb’s zu, am Anfang war ich etwas hochnäsig. Nicht, dass ich es nach außen gezeigt hätte, aber innerlich habe ich mich deutlich abgegrenzt von „diesen Pauschaltouristen.“ Wenn ich Pärchen in meinem Alter gesehen hab, dachte ich „ich könnte nie mit einem Typen zusammensein, der so eine Art von Urlaub gut findet,“ als mir der Steward zweimal am Tag das Bett neu gemacht hat, hätte ich am liebsten gesagt „ist nicht nötig“ und der Washi-Washi-Frau wollte ich andauernd zurufen: „ich hab meine Hände schon fünfmal gewaschen heute!“

Irgendwann habe ich den inneren Widerstand aufgegeben, denn immer nur dagegen zu sein und sich für cooler/individueller/weniger Mainstream zu halten ist ja auf Dauer auch nur eins, nämlich anstrengend. Stattdessen habe ich mich einfach nur gefreut, dass mein Handtuch heute in Form eines Elefanten gefaltet war, ich konnte trotz der üblichen Songauswahl die wirklich wunderschöne Stimme der Coversängerin würdigen und ich habe sogar beim Quizabend mitgemacht und muss zugeben, dass ich Spaß dabei hatte.

Kreuzfahren verdirbt den Charakter? Das glaube ich nicht, stattdessen bringt es den wahren Charakter des Reisenden hervor. Ich will nicht die Nörgeltouristin sein, die durch das Restaurant läuft und „das riecht aber angebrannt“ zu ihrem Mann sagt, da bin ich doch lieber die, die mit einem Glas Wein auf Deck steht und es gar nicht fassen kann, wie wunderschön so ein Sonnenuntergang auf hoher See ist. Und dass da im Hintergrund „Hotel California“ zu hören ist, das gehört dann irgendwie fast schon dazu.

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Der schönste Ausblick an Bord der Norwegian Jade

Infos zur Mini Kreuzfahrt von Southampton nach Hamburg

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Die Norwegian Jade im Hafen von Southampton

Anbieter: Norwegian Cruise Line

Dauer: von Freitag Nachmittag bis Sonntag früh.

Start: Southampton, England. Hinkommen: per Flugzeug nach London-Heathrow, von dort per Zug oder Shuttle.

Kreuzfahrtschiff: Norwegian Jade

Mehr Details, Informationen und Daten für die nächste Mini-Kreuzfahrt auf der Website der Norwegian Cruise Line