Egal ob im Erdinger „Outback“, durch die Straßen New Yorks oder am Kilimandscharo – Mira aus Erding läuft, wohin sie ihre Füße tragen. Dabei war das Laufen zunächst eine ungeliebte Pflichtübung, bevor es sich dann schließlich klammheimlich zur echten Passion entwickelte.

10 Fragen und eine Runde Speedtraining

1. WARUM HAST DU MIT DEM LAUFEN ANGEFANGEN?

Ich laufe seit 2011. Im Rahmen meiner zweiten Berufsausbildung musste ich Sportleistungen, darunter auch Laufleistungen erbringen. Der Einstieg in den Laufsport war mehr Pflicht als Leidenschaft. Wirklich Spaß habe ich erst daran gefunden, als ich nicht mehr laufen musste sondern durfte.

2. DEIN BISHER GRÖSSTER LAUFERFOLG?

Läuferischer Erfolg lässt sich in unterschiedlicher Weise definieren. Geht es um Platzierungen oder Bestzeiten, waren meine besten Läufe im Bereich der 5-7 km Tempowettkämpfe.
Mein für mich persönlich jedoch größter läuferischer Erfolg war das Finish des Kilimanjaro Marathons 2019 bei ungewohntem afrikanischen Klima deutlich über 30 Grad und nicht unerheblichen Höhenmetern. Das war eine außergewöhnliche mentale Herausforderung.

3. WO LÄUFST DU AM LIEBSTEN?

Meine Heimstrecke beginnt vor meiner Haustüre und führt ins Erdinger „Outback“. Ich laufe aber überall gerne, habe bei all meinen Reisen immer ein paar Laufschuhe im Gepäck. So trainierte ich in Schottland, Schweiz, Portugal, Italien und den USA, auf Meereshöhe oder oben im Gebirge.

4. WAS FÜR EINE ART LÄUFERIN BIST DU?

Ich bin eine ehrgeizige Läuferin, die aber nicht verbissen ist. In erster Linie will ich laufend die Welt entdecken. Dabei geht es mir langfristig mehr um Distanz als um Tempo, wobei ich aber auch gerne mal Tempoeinheiten laufe, bei denen ich ans Limit gehe und austeste, was meine Form gerade so hergibt.

5. WELCHEN LAUF MÖCHTEST DU UNBEDINGT MAL LAUFEN?

Meinen größten läuferischen Traum habe ich mir bereits 2018 mit dem New York City Marathon, dem größten Marathon der Welt, erfüllt. In der Zukunft möchte ich gerne einmal einen Wüstenmarathon in Jordanien laufen, aber ich habe noch viele Visionen im Kopf und über die ein oder andere verrate ich momentan noch nicht allzu viel.

laufmotivation maraton

Foto: Mira runs marathon

6. DEIN NÄCHSTES SPORTLICHES ZIEL?

Mein nächstes großes Ziel ist der Chicago Marathon, wo ich mir den dritten Stern der Majors holen will, nach New York City und dem Berlin Marathon, welche ich bereits in der Tasche habe. Die Majors im Gesamten plane ich im Laufe der nächsten Jahre zu vervollständigen. Nach NYC, Berlin und Chicago gehören dann noch Boston, Tokyo und London dazu. Da habe ich aber keine Eile.

7. HAST DU MOTIVATIONSTIEFS UND WIE ÜBERWINDEST DU SIE?

Definitiv habe ich Motivationstiefs. Im Endeffekt ist es eine Sache der Disziplin sich darüber im Klaren zu sein, dass zum Erreichen der Ziele ein gewisses Training eben unumgänglich ist. Zudem weiß ich genau, dass es mir, auch wenn es mir mal nicht gut geht, nach einem Lauf nie schlechter geht als vorher.

8. DU KANNST EIN HALBES JAHR LANG NICHT LAUFEN  – WAS TUST DU?

Anfang 2018 zog ich mir im Rahmen des Trainings einen Ermüdungsbruch im rechten Fuß zu und konnte drei Monate nicht laufen. Ich trainierte alternativ im Wasser, schwamm regelmäßig die Ironman Distanz von 3,8 Kilometern und konnte so meine Grundlagenausdauer recht hoch halten. Der erste schmerzfreie Lauf nach der Verletzungspause war dann wie ein 6er im Lotto.

9. ERLEBNISSE BEIM LAUFEN

Mein berührendstes Erlebnis:
Bei meinem ersten Marathon in München 2017 brach bei Kilometer 18 ein Läufer vor mir leblos zusammen und wurde reanimiert. Das warf einen Schatten auf den Rest der Strecke, bis ich unmittelbar nach dem Zieleinlauf mit den Rettungskräften sprechen konnte und zum Glück erfuhr, dass die Reanimation erfolgreich war.

Mein kuriosestes Erlebnis:
Bei einer Crosslauf-Meisterschaft 2017 unter sehr schwierigen, matschigen Bedingungen, verstreute sich das Teilnehmerfeld sehr stark. Nach 5 Runden auf dem Track war ich der Meinung, ich hätte die Distanz beendet, verließ den Kurs, nahm mir etwas zu trinken und eine Banane. Plötzlich stand der Wettkampfrichter vor mir und meinte, ich hätte noch eine Runde zu laufen. Ich lachte, ging also auf den Kurs zurück und lief die letzte Runde durch den Matsch – mit meiner angebissenen Banane in der Hand.

Mein unvergesslichste Erlebnis:
Ich werde nicht mehr vergessen, wie der Kanonenschlag meiner Starterwelle des New York City Marathons fiel und wir bei strahlendem Sonnenschein auf die riesige Verrazano Bridge liefen, von der aus wir von Staten Island aus hinüber nach Manhattan und zum One World Trade Center blicken konnten. Über uns schwebte der Helikopter des US-amerikanischen Fernsehens und das Tickern der Rotorblätter wirkte wie ein Metronom, das mir in einen angenehmen Laufrhythmus half. Dieser Moment ist unvergleichbar.

10. EIN LAUF, DER ZIEMLICH SCHIEF  GING

Im Juli 2018 lief ich den Königsschlösser Marathon in Füssen. Blick auf Schloss Neuschwanstein und Hohenschwangau. Tolle Strecke, tolle Landschaft, aber meine Tagesverfassung war nicht gut. Ich hatte ziemlichen Stress in der Arbeit und auch die ein oder andere private Baustelle. Ich konnte die Nacht vor dem Marathon nicht schlafen, keine Sekunde. Übermüdung bei großer körperlicher Belastung löst bei mir manchmal Übelkeit aus.

Ab der Halbmarathondistanz wollte mein Magen nicht mehr so recht. Ich hatte Magenkrämpfe, musste mein Frühstück rückgängig machen und entschied mich auszusteigen. Doch dann wusste ich, dass es gerade eine mentale Geschichte war, die ich überwinden musste. Ich griff wieder an und finishte den Marathon. Das war mit dem Unwohlsein eine echte psychologische Challenge. Doch als ich die goldene Medaille an der Ziellinie umgehängt bekam wusste ich, dass man nicht aufgeben darf und jedes Mal wenn ich diese Medaille an meiner Wand sehe, weiß ich, dass das wichtigste ist, nicht den Mut zu verlieren, auch wenn es richtig schwierig ist.

Speedtraining

Foto: Mira runs marathon

WALDBODEN ODER STRAßE?

Beides, aber Straße laufe ich sehr gerne, da ich persönlich auf der Straße einen saubereren Stil laufe.

GROßE ODER KLEINE LAUFVERANSTALTUNGEN?

Am liebsten mag ich große Veranstaltungen mit guter Stimmung und einem motivierendem Publikum. Aber auch kleine, regionale Läufe machen Spaß und sind gut geeignet, um Wettkampfsituationen zu trainieren.

MUSIK IM OHR ODER OHNE?

Im Training definitiv mit Musik, da Musik meine zweite wirklich große Leidenschaft ist. Laufsport und Musik in Kombination ist für mich persönlich das perfekte Mittel, um abzuschalten und den Kopf zu befreien.

ANDERE LÄUFER GRÜßEN ODER NICHT?

Auf jeden Fall. Ich grüße auch Spaziergänger, Menschen mit Hund oder andere Personen die mir begegnen, selbst wenn es in einer harten Einheit nur ein Lächeln oder freundliches Kopfnicken ist. Mir fällt in Deutschland auf, dass viele Läufer nicht grüßen, was ich als sehr steif empfinde. In anderen Ländern in denen ich trainiere, wird sich da oft mit wesentlich mehr Herzlichkeit begegnet.

LAUFGRUPPE ODER SOLO?

Ich trainiere fast ausschließlich alleine, weil es für mich die Zeit ist, in der ich eben Zeit für mich habe und Dinge verarbeiten kann, die manchmal im schnelllebigen Alltag auf der Strecke bleiben. Zudem halte ich das alleine Trainieren für mich persönlich für effektiver. Hin und wieder habe ich aber gegen Trainings in der Gruppe nichts einzuwenden, wenn das Leistungsniveau stimmig ist und niemand unter- oder überfordert wird.

DEIN SPORTLICHES VORBILD?

Mein sportliches Vorbild ist die US-amerikanische Läuferin Shalane Flanagan. 2017 gewann sie als erste Amerikanerin seit 40 Jahren den New York City Marathon und setzte sich gegen die sehr starke kenianische Konkurrenz durch. Dass da eine weiße, US-amerikanische Frau in New York den Sieg nach Hause geholt hat, hat sehr vielen jungen Läuferinnen große Inspiration gegeben.

 

Vielen Dank an Miriam für das Interview und die Fotos (alle Fotos: Credit Miriam Monroe).

Mehr über Miriams Laufabenteuer erfährst du auf ihrem Facebook-Account und Instagram-Profil.

Laufverrückte Interviewpartner(innen) gesucht!

Du läufst (manchmal, immer, immer wieder) gern und sprichst auch gerne darüber? Prima, dann solltest du unbedingt Teil meiner Laufinterview-Reihe werden! Schreib mir gern ein paar Zeilen warum du von mir interviewt werden möchtest.