Das Bild meines Sommers – ein Feld mitten in Nirgendwo, ein Sonnenuntergang und zwei Fotografinnen.

Als ich erfahren habe, dass Ina und Nico von Mit Kind im Rucksack im Rahmen einer Blogparade nach dem „Bild meines Sommers“ fragten, hatte ich nicht eins, sondern gleich Dutzende Bilder im Kopf. Kein Wunder, denn mein Sommer war so ereignisreich und vielfältig wie selten einer davor: Meine erste Kreuzfahrt, viele Wochenenden in der Uckermark, eine Schlösser und Gutshäusertour in Mecklenburg-Vorpommern, Wandern in England und ein dritter Besuch in Manchester.

Mein Sommer 2018 – ganz schön busy

Von all diesen Abenteuern gab‘ es natürlich nicht nur Bilder in meinem Kopf, sondern auch in der Kamera bzw. auf der Festplatte. Viele Kandidaten hätten sich dafür geeignet, das Bild meines Sommers zu werden. Ein Sonnenaufgang den ich vom Deck des Kreuzfahrtschiffs Norwegian Jade sehe, als es gerade in den Hamburger Hafen einläuft. Ein weiterer Sonnenaufgang in der Uckermark, als ich mich ganz früh aus meinem Zelt geschlichen habe, um auf einem Mohnfeld darauf zu warten, dass der Morgen anbricht. Ein Schloss in Mecklenburg-Vorpommern, dass so aussieht, als würde es mitten in einer englischen Grafschaft stehen. Und a propos England: der Blick vom Gipfel nach einer Wanderung im nordenglischen Lake District auf unendliche Weite. Oder aber einfach nur ein Sonnenaufgang in fifty shades of pink an der Rummelsburger Bucht in Berlin.

Ein Sommer wie in meiner Kindheit

Warum habe ich also gerade dieses Bild ausgewählt, um „das Bild meines Sommers“ zu werden? Die Gründe dafür sind eher emotionaler als rationaler Art. Kannst du dich noch daran erinnern, als die Sommer deiner Kindheit schier endlos erschienen? Wenn du wie ich auf dem Dorf aufgewachsen bist, dann hatte der Sommer für dich den Geruch von frisch gemähtem Rasen, Pommes am See und dem Rennen durch Felder. Dieses Feld hinter dem Berliner Ortsrand erinnert mich an die Felder meiner Kindheit, die man überqueren musste, um an den Badesee zu kommen und wo einen immer irgendwas gepiekst hat: ein strohiger Halm, eine Brennessel, eine Bremse.

Das Bild verkörpert für mich aber nicht nur die Sehnsucht nach vergangenen Sommern. Es ist ein Bild das spontane Entscheidungen, Freundschaften und die Schönheit des Augenblicks im Hier und Jetzt beinhaltet.

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Auf dem Weg in den dunkelsten Ort Deutschlands

Es entstand am Tag der totalen Mondfinsternis, als wir drei uns aufmachen wollten nach Gülpe im Havelland, Deutschlands dunkelsten Ort und somit der wahrscheinlich perfekteste Platz, um den Blutmond ohne störendes Licht aus der Umgebung zu sehen. Wir drei, das sind: Synke von Synke unterwegs, Anja von Goontravel.de und meine Wenigkeit. Am besagten Tag zögerten wir die Fahrt etwas hinaus, denn es war Bewölkung angesagt – würde sich der weite Weg lohnen, nur um dann doch nichts sehen zu können?

Einige Hin- und Hernachrichten im Whats-app-Gruppenchat weiter die Einigung: Klar machen wir das! Wir sind schon eine ganze Weile vorangekommen, als wir plötzlich , mitten im Nirgendwo auf einer Brandenburger Landstraße, in einen Stau geraten. Ein Gewittersturm hat kurz zuvor über das Havelland gefegt, was einige Bäume ihr Leben gekostet hat. Einen davon hat es unglücklicherweise direkt auf unserer Fahrbahn zerlegt. Es ist ein wenig wie im REM-Video „Everybody Hurts“ – die Leute steigen auf dem Auto aus und lassen alles hinter sich. Wir sind nicht ganz so radikal und steigen stattdessen nur mal kurz aus – nur um zu sehen, dass da gerade rechts neben uns die Sonne auf spektakuläre Art und Weise untergeht. Der Polizist macht uns Hoffnung, dass es gleich weitergeht und so ist es auch. Es rollt wieder und ein paar Minuten später beschließen wir beim ersten Feldweg kurz hinter dem Fontane-Ort Ribbeck: hier bleiben wir!

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Der schönste Sonnenuntergang des Jahres

Es ist nicht Gülpe, es ist nicht der dunkelste Ort in Deutschland, ja noch nichtmal in Brandenburg, man sieht sogar die Lichter eines Windparks. Und dennoch ist an diesem Abend und in dieser Nacht alles perfekt: das unwirklich-schöne Licht, das nach dem Sonnenuntergang zurückbleibt, unser Picknick auf dem Feld und dann die Nacht mit Fledermäusen und der totalen Mondfinsternis. Das Gefühl von Freundschaft und Freiheit und ja, auch ein wenig Verbindung mit dem Universum, denn wann sieht man schonmal so einen Blutmond und den Mars darunter?

Das ist also die Geschichte zu meinem Bild des Sommers. Es steckt ein wenig Wehmut darin, dass der Sommer jetzt vorbei ist aber auch die Vorfreude auf viele weitere kleine und große spontane Abenteuer.

Blogparade „Das Bild meines Sommers“

Ich habe mich in Inas und Nicos Blogparade heimlich reingeschummelt, denn eigentlich endete sie bereits am 1. September. Darauf aufmerksam geworden bin ich bei Martina von Places and Pleasure, die mit einem atemberaubend schönen Ausblick auf das Villnößtal in den Südtiroler Dolomiten an der Blogparade teilgenommen hat. Alle Teilnehmerbilder findet ihr hier.