2016. So war mein Jahr.

Sarah Kuttner teilte unlängst einen Post von Daniela Katzenberger.

„2016. Was für ein Jahr. Was war Euer Highlight?“ war darin zu lesen.

Kuttners Kommentar:

„Ich habe das Gefühl, dass Daniela Katzenberger ein anderes 2016 hatte als der Rest von uns.
Beneidenswert.“

Ich gehe da ganz konform mit Frau Kuttner, und somit wohl auch einer ganzen Menge anderer Menschen. 2016 war einfach ein Arschlochjahr und es kann bitte einfach gehen. Natürlich, alles ist eine Frage der Perspektive. Für meine Freundin Jessi war 2016 bestimmt das schönste Jahr ihres Lebens, schließlich kam im Herbst ihre Tochter zur Welt. Für Leonardo di Caprio sicher auch, denn wenn man nach fünf Nominierungen endlich den Oscar mitnehmen darf muss sich das ganz schön geil anfühlen. Jan Frodeno gewann zum zweiten Mal den Ironman Hawaii und Serena Williams zum siebten Mal Wimbledon.

Und wie sah mein 2016 aus? Recht gemischt. Es war nicht das allerschlechteste, doch richtig warm miteinander geworden sind wir auch nicht, das Jahr und ich. Vor allem, was die sportliche Bilanz angeht – das war ein Satz mit x. Schauen wir mal zurück auf das Jahr des Feuer-Affen.

Mein Laufjahr 2016

63 Läufe, 386,06 Kilometer in 44.02.25. Ich bin also eine Strecke von Berlin nach Kassel gelaufen. Nicht so dolle. Aber immerhin mehr als einen Kilometer pro Tag im Durchschnitt, um das Glas mal halbvoll zu betrachten. Mein bester Laufmonat war der Juli mit knapp 74 Kilometern, der schlechteste der Februar. Da habe ich nämlich nicht ein einziges Mal die Laufschuhe geschnürt. Mein längste Laufdistanz waren 12.42 Kilometer, ein Lauf durch den Treptower Park und Plänterwald, den ich als besonders schön in Erinnerung habe. Auch wenn mein Laufjahr insgesamt als katastrophal zu betrachten ist, ein paar Highlights gab es dann schon. Mein erstes Rennen im Jahr 2016 war der Avon Frauenlauf im Mai. Gleichzeitig auch mein erster Frauenlauf und der erste, bei dem ich ganz allein an den Start ging. Staubig, warm und vom Ergebnis her nicht zufriedenstellend – und trotzdem eine ziemlich tolle Veranstaltung. Und nur knapp zwei Monate später kam auch schon der nächste Frauenlauf, dieses Mal besonders entspannt, denn das Brighton Race for Life war ganz ohne Zeitmessung. Zum Glück, denn hier ging es bergauf, bergab. Das tollste daran: dass ich endlich mal wieder eine Laufveranstaltung gemeinsam mit meiner Freundin Tine absolvieren konnte. Und noch schöner, dass sie den Sunday Roast danach genauso schätzt wie ich. Weiter ging’s dann erst im August, mit dem SportScheck StadtLauf Berlin. Ein Lauf, den ich so gar nicht auf dem Zettel hatte und an dem ich nur teilgenommen, weil ich einen Startplatz bei Runifico gewonnen hatte (Danke dafür!). Umso froher war ich: tolle Streckenführung, super Organisation, insgesamt eine total runde Veranstaltung. Sicherlich nicht mein letztes Mal. Mein kuriosestes Rennen war ganz eindeutig der 4. SON Kee-Chung Gedenklauf. 10 Kilometer auf dem Tempelhofer Feld, Ende Juli bei Rekordtemperaturen. Ein Lauf, bei dem ich mir nicht klar war, ob ich ihn schaffen würde, weil mir die Hitze und der fehlende Schatten so zu schaffen machten. Der kleine Lauf wird vom Koreanischen Verein Berlin und der Koreanischen Community organisiert und unterstützt von den „Independent“ Berlin Wall Trail Runners und der LRG Torpedo Berlin. Er erinnert an den historischen Marathon Olympiasieg von SON Kee-Chung, eine tragische Story, die eigentlich einen eigenen Artikel verdient. Das Rahmenprogramm: koreanische Trommelmusik und Barbecue. Das Ergebnis: 10k ohne Zeitmessung, dafür ein winzig kleines, aber hübsches Laufshirt und eine wirklich sehr schöne Medaille. Es folgten im Oktober der Great 10k, ganz gut und ohne nennenswerte Ereignisse sowie mein 10K-Lauf zum Müggelsee Halbmarathon, bei dem es mir dann nicht ganz so gut erging.

Insgesamt war 2016 eindeutig das Jahr meiner Laufkrise. Was 2015 noch so locker lief, wurde 2016 anstrengend. Viele kleine und ein paar größere Wehwechen und daraus resultierende Motivationstiefs sorgten für ein Jahr mit wenigen Kilometern, schlechte Laune und generelles Mich-unwohl-fühlen. Die Aussichten für 2017 sind dafür umso besser und auch dieser Dezember kann, was das Mindset angeht, schon einiges mehr als die gesamten elf Monate davor. Der Trainingsplan für den kommenden Berlin Marathon im September hat angefangen und ich könnte nicht glücklicher darüber sein.

Meine Reisen 2016

Auch 2016 war wieder das Jahr der Ausflüge und Städtereisen. Meine Freundin Wiebke bezeichnet sich in ihrem Twitter-Profil als „kurztripsüchtig“ – das kann ich genau so unterschreiben. Meine Kurzstrips führten mich nach Brighton, Glasgow, Edinburgh, Manchester, Bad Saarow, und an den Bodensee. Jede Reise war auf ihre eigene Reise bemerkenswert und es haben sich so viele Geschichten daraus ergeben, die ich vielleicht irgendwann noch aufschreiben werde. Bis dahin ein paar Stichworte zu den Highlights: Kater Elvis aus unserer Unterkunft in Brighton sowie Gustamps Briefmarkenladen (wer mal dort ist: unbedingt vorbeischauen. Ein echtes Erlebnis!), der Lauf mit den Runbetweeners durch Glasgow, Wandern auf Arthur’s Seat mit Susi in Edinburgh, Pie essen am offenen Kamin im Pub und die Free Walking Tour mit Josh in Manchester, mein Interview auf der Eurobike in Friedrichshafen für die BikeBild und ein absolut dekadentes Spa-Wochenende im Hotel Esplanade in Bad Saarow. Eine special Mention geht an meinen Herbsturlaub in Griechenland. Im Oktober durften es dann nämlich auch mal ein paar Tage mehr sein. Eine ganze Woche war ich in Thessaloniki – zum Laufen, entspannen, Sonne tanken und gegrillten Käse essen.

2016 – und sonst so?

2016 war ein Umbruchjahr für mich, das vor allem durch einen Jobwechsel geprägt war. Weniger Freelance, mehr angestellt, weniger StartUp, mehr Corporate. Wohin mich das alles führen wird? Das weiß ich selbst noch nicht. Sicher ist, dass ich dadurch eine Menge gelernt habe und auch langsam rausfinde, was ich denn eigentlich wirklich will. Und was nicht. Das wird mein großes Projekt für 2017. Das gilt auch für mein Leben. Denn Leben und Arbeit strikt zu trennen halte ich schlichtweg für nicht mehr zeitgemäß und ich bin froh, dass ich 2016 Menschen kennenlernen durfte, die das ähnlich sehen. Der Vorsatz für 2017: Diese Menschen öfter zu treffen und wieder ein bisschen aus meiner selbst gewählten Comfort Zone ausbrechen. Neue Fähigkeiten lernen, mutiger sein und mich noch weniger darum scheren, was die Leute von mir erwarten könnten. 2016 war nicht nur blöd. Im letzten Drittel des Jahres hat mich die Muse geküsst und ich habe das getan, was ich schon lange tun wollte: meiner Liebe zu Großbritannien einen Blog gewidmet. A decent cup of tea heißt mein neues Baby und nein, ein zweiter Blog bedeutet nicht automatisch mehr Stress. Fokussierung und Umstrukturierung ist der Schlüssel, was vielleicht auch heißt, dass es hier auf dem Blog etwas weniger geplant und suchmaschinenfreundlich, dafür aber persönlicher und inspirierter zugeht. Ich gebe zu, lange Zeit hatte ich die Lust an Tracks and the City verloren. Jetzt ist sie wieder da.

Was 2016 darüberhinaus noch gut war: Häkeln zu lernen. Marzahn von oben zu sehen. Caipirinhatrinkend über Lichtenbergs Hinterhofflohmärkte zu streifen. Eine Gastkatze zu Besuch zu haben. Milliarden zu interviewen. Die Uckermark zu entdecken. Koreanische Filme auf der Berlinale. Den Iron Cowboy kennen zu lernen und Charlie Engle zu lesen. Jared beim Berlin Marathon anzufeuern. Der beste Nusskuchen meines Lebens. Der Sonnenuntergang über dem Thermaischen Golf. Toni Erdmann und Sandra Hüller. Die Entdeckung von The Good Wife. Scones, Mince Pies und mushy peas. Und meine allererste Critical Mass.

Wie war Dein 2016? Siehst Du’s eher wie die Kuttner oder wie die Katzenberger? Was waren Deine persönlichen Highlights?

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