Seoul für Foodies

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Kimchi, Bulgogi, Gimpap & Co.: die koreanische Küche hat einiges zu bieten. Hier gebe ich Dir einen Überblick über die landestypische Speisen, die besten Locations für Foodies, Infos zu Kochkursen sowie Hinweise für Vegetarier und Veganer (Spoiler: die haben es in Seoul nicht leicht).

Food Tour The Soul of Seoul

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Der Jetlag steckte mir noch in den Beinen, aber ich wollte mir gleich nach der Ankunft einen ersten Überblick über die Food-Szene Seouls verschaffen. Geführte Touren sind mir eigentlich ein Greuel, aber die Food-Tour von The Soul of Seoul klang anders. Klar, denn Tour-Guides sind keine Geringeren als Hallie und Vanessa von einem der erfolgreichsten Lifestyle-Blogs Koreas. Am Dienstag morgen hatte sich keiner außer mir angemeldet und so hatte ich eine Exklusiv-Tour mit Hallie. Die ist Amerikanerin, kam vor ungefähr neun Jahren als Englischlehrerin nach Seoul, verliebte sich in einen Local und futtert und bloggt sich seitdem durch ihre Wahlheimat – mittlerweile sogar mit Baby. Bei The Soul of Seoul kann man zwischen verschiedenen Touren wählen, ich entschied mich für die Markt-Tour. Das ganze ist recht informell und locker, man geht an verschiedene Stände, probiert hier und da was, Hallie erzählt was sie weiß und hat auf so ziemlich jede Frage eine Antwort. Aufgrund ihrer koreanischen Sprachkenntnisse hat sie bei den Markfrauen einen Stein im Brett, nicht das schlechteste wenn man auch mal etwas länger verweilen will als der Koreaner in der Mittagspause, der seine Suppe runterschlingt und wieder geht. Falls Du Lust auf einen ersten kulinarischen Eindruck Seouls hast und Dir aufgrund fehlender Sprachkenntnisse alleine noch unsicher bist, was Du alles probieren magst, bietet Dir die Food-Tour von The Soul of Seoul eine hilfreiche Orientierung. Hallie weiß, an welchem Stand Du die beste kalte Buchweizensuppe essen kannst, wo es vegetarisches Essen gibt und wo man nebenbei noch günstig Vintage Klamotten kaufen kann.
Traditional Market Experience
Dauer 2 Stunden
Kosten 50.000 koreanische Won (ca. €38)
www.thesoulofseoul.net

Kimchi überall

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„A Kimchi a day keeps the doctor away“ – das sagt zumindest Fräulein Kimchi, amerikanisch-koreanische Streetfood-Ikone, die den Berlinern den fermentierten Chili-Knoblauch-Weißkohl nahegebracht hat. Eigentlich ist es nur eine Beilage, doch es ist allgegenwärtig und kann getrost als Nationalgericht bezeichnet werden. Wenn man in Korea essen geht, führt kein Weg and dem Kraut vorbei: sowohl in der traditionellen als auch in der modernen koreanischen Küche, aber auch beim Mexikaner, im Fast Food Restaurant und sogar beim Hotelfrühstück ist immer irgendwo Kimchi dabei. Wenn man also in Seoul ist, was liegt da näher, als Kimchi an seinem Ursprungsort zu lernen? Mit Claudi, die ebenfalls zu Besuch war, habe ich einen Kimchi-Kurs besucht. Die werden hier an fast jeder Ecke angeboten, dabei gilt es jedoch sich genau durchzulesen, was denn tatsächlich angeboten wird. Bei manchen Kursen geht es eher um die Show, wir wollten die Kimchi-Zubereitung allerdings von der Pike auf lernen. Das kann man in der Food & Culture Korea Academy unweit des „blauen Hauses“, wie der Präsidentenpalast im Volksmund genannt wird. Keine schlechte Wahl: Fotos zeugen von illustren ehemaligen Schülern, darunter her very own Martha Stewart, die koreanische Präsidentin Park Geyn-Hye sowie unzählige Soap-Stars. Im Kurs erfahre ich, dass Kimchi keineswegs so vegetarisch ist, wie man mir das in Restaurants und auf Märkten teilweise weismachen wollten: neben einer ordentlichen Portion Fischsauce wird der Weißkohl mit einer Paste eingerieben, die unter anderem zerstoßene Krabben und getrockneter Fisch beinhaltet. Und natürlich sehr viel Chili und sehr viel Knoblauch. Am Schluss gibt’s ein Zertifikat und den eingeschweißten Kimchi zum mit nach Hause nehmen. Und ein Foto mit der Kursleiterin – man sagt hier übrigens nicht „Cheese“ beim Fotografieren, sondern, logisch, „Kimchiiii“
Übrigens: Kimchi gibt es in vielen Formen, man kann Kimchi nicht nur aus Kohl sondern zum Beispiel auch aus Gurken, Lauch oder Rettich zubereiten, Hauptsache es gärt. Auf jedem Markt gibt es Kimchi in seiner ganzen Vielfalt zu kaufen, und es gibt sogar ein Kimchi Museum sowie ein „Kimchi Making & Sharing“- Festival.
Berliner haben’s gut: Das eingangs erwähnte Fräulein Kimchi hat ein Gefühl für Trends und hat sich auf ein veganes Kimchi spezialisiert. Was unserer Kursleiterin die Nackenhaare aufstellen würde, ist in Berlin ein wahrer Renner. So sehr, dass sich aus dem Streetfood-Stand mittlerweile sogar ein eigenes Restaurant entwickelt hat.
Cabbage Kimchi Making Course
Dauer ca. 2 Stunden
Kosten 30.000 koreanische Won (ca. €23)
www.koreanrecipe.co.kr

Vegetarisch oder vegan essen in Seoul

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Kurz vorab: Vegetarier haben’s nicht leicht in Seoul. Veganer sogar wahnsinnig schwer. In vielen traditionellen koreanischen Restaurants gibt es kaum etwas Vegetarisches, es fehlt meist komplett das Verständnis für eine solche Ernährungsweise. Fleisch ist allgegenwärtig und Hauptbestandteil der meisten klassischen Gerichte. Selbst im Gimbap, der koreanischen Variante des Sushi, wird nicht selten noch eine Scheibe Schinken mit eingerollt. Und auch wenn man sich eine Gemüsesuppe bestellt, die es tatsächlich manchmal gibt, kann man davon ausgehen, dass die Brühe aus Rinderknochen gekocht wurde. Auch die köstlichen Dumplings gibt es so gut wie nie mit vegetarischer Füllung – etwas Fisch oder Fleisch ist fast immer drin. Auch Liebhaber von frischem Gemüse und Obst müssten meist erstmal schlucken: das ist nämlich oft sehr teuer. In Südkorea wird einfach nicht viel Gemüse ausser Knoblauch und Kohl angebaut, man braucht den Platz für Reis, der 80% der landwirtschaftlichen Fläche einnimmt. Wenn Du Dich vegetarisch oder vegan ernährst, solltest Du Dich trotzdem nicht aufgrund der Schwierigkeiten von einem Korea-Besuch abhalten lassen. Das Internet ist auch hier wie so oft mal wieder enorm hilfreich. In der Facebook-Gruppe Seoul Veggie Club kannst Du alle Fragen stellen und bekommst kompetent Antwort, außerdem findest Du hier auch schnell Anschluss mit Gleichgesinnten, weil regelmäßig Picknicks und Potlucks veranstaltet werden. Die Kette Loving Hut bietet vegetarisches Fast Food an, vegetarisch kann man sich gut in den buddhistischen Tempelrestaurantes ernähren, wie zb bei Sanchong in Insadong. Wenn Du lieber selber kochen magst, solltest Du das Obst und Gemüse unbedingt auf dem Markt (und nicht im Supermarkt kaufen). Besonders günstig sind saisonale Früchte und Gemüsesorten auf kleineren Kiez-Märkten wie z.B. dem Huam Market in der Nähe des Hauptbahnhofs Seoul Station.
Hilfreiche Infos & das dazu passende Vokabular findest Du „A Guide to Being Vegetarier in South Korea.“

Fisch essen in Seoul

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„Die essen alles, was sich aus dem Meer holen lässt“ – so das knappe Fazit meiner Freundin Christina nach mittlerweile einem Jahr Korea. Ganz unrecht hat sie nicht, denn in jedem normalen Supermarkt gibt es zum Beispiel ganze Regale mit diversen Sorten an Algen. („Kelp“ , übrigens auch eine Kimchi-Zutat). Wenn Du Dich genauso so sehr für Fisch interessiert wie ich, solltest Du Dir einen Besuch des Fischmarkts Noryangijn nicht entgehen lassen. Eine riesige alte Halle mit unzähligen Ständen, an denen alles Erdenkliche angeboten wird. Das ist einerseits vertraut, wie Garnelen, Thunfisch, Makrele, andererseits fremd, wie Quallen, oder „live Octopus“, der tatsächlich lebendig gegessen wird. Nichts für mich, aber für Koreaner und einige Touristen eine ausgesuchte Delikatesse. In den oberen Etagen des Fischmarkts sind viele kleine Restaurants, die den Fisch, den man sich unten kauft, frisch zubereiten. An jeder Ecke in Seoul gibt es kleine Wägen mit Fishcake, eine Art frittierte Fischbulette in der aber oft auch Shrimp enthalten ist. Der Fischmarkt und Fishcake wurde mir übrigens von Susan M. Choi höchstpersönlich empfohlen. Sie ist die eine Hälfte des Berliner Streetfood-Duos Mr. Susan und mitverantwortlich für den (gerechtfertigten!) Hype koreanischer Küche in Berlin.
Noryangijn Fisheries Wholesale Market
Dongjak-gu, Seoul
General Fish Market geöffnet von 1:30 bis 22h, Fischversteigerung ca. 4-6 Uhr morgens

Kaffee trinken in Seoul

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Statistiken sagen uns immer wieder, dass die Finnen die Nation mit dem höchsten pro-Kopf-Verbrauch an Kaffee sind. Wie verhält es sich aber mit den Großstädtern dieser Welt? Ich wage zu behaupten dass die Seoulites da ganz, ganz weit vorne mitmischen. An jeder Ecke Seouls gibt es Cafés, wobei hier einheimische Kaffeeketten wie zum Beispiel Pastuccis oder Hollys dominieren. Neben dem amerikanischen Marktführer gibt es hier sehr viele einheimische Ketten, die sich allerdings stark am großen Vorbild orientieren. Getrunken wird, so war es jedenfalls im noch ziemlich heißen September, „iced coffee“ in allen Varianten, am liebsten Americano, d.h. schwarz, vielleicht noch mit einem Schuss Sirup gesüßt. Falls Du Dich vegan ernährst und keinen schwarzen Kaffee magst, musst Du leider auf eine der großen Ketten zurückgreifen – Sojamilch gibt es nur bei Starbuck’s, Holly’s Coffee führt neuerdings Mandelmilch.
Wenn Du in Seoul einen freien Nachmittag zur Verfügung hast, dann mach es so wie wir und setz’ Dich in ein Café bestell’ Dir einen Americano und eine kleine Nascherei und schau’ Dir einfach nur die Leute an. Die beste Methode, um die unterschiedlichen Stadtviertel und ihre Bewohner kennenzulernen. In Gangam ist Kaffeetrinken ein reines Sehen-und-Gesehen-werden, die Straßen sind Laufstege für die Fashionistas, hier gibt es jede Menge sehr hipper Cafés jenseits der großen Ketten. In Jongno-gu treffen sich die Teenies in Schuluniform, in Insadong und Iteawon mischen sich Touristen mit Einheimischen und in jeder noch so entlegenen Ecke findet man ein Büdchen mit Filterkaffee.

Seoul in Berlin

Hast Du jetzt Hunger & Durst und würdest Dich am liebsten in den nächsten Flieger setzen? Ich würde mich freuen wenn auch Du Lust hast, die kulinarische Vielfalt Koreas zu entdecken. Falls Dir das momentan noch etwas zu weit ist, in Berlin gibt es mittlerweile eine sehr gute Auswahl an koreanischem Essen, wie zum Beispiel auf dem Street Food Thursday. Wenn Du lieber selbst Hand anlegen willst: Lauren Lee alias Fräulein Kimchi bietet bei Goldhahn & Sampson regelmäßig Kochkurse in koreanischer Fusion-Küche an.

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