#meinerstesmal mit: Nike Running Club Berlin

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NRC Open House Berlin

Ich bin die geborene Karteileiche. Mein Fitnessstudio, die VHS Berlin sowie mein ehemaliger Roller Derby Verein erfreuen sich an meinem Jahresbeitrag, sehen mein Gesicht aber nur äußerst selten bis gar nicht. Kündigen? Neee, könnte ja sein dass ich da bald wieder ganz regelmäßig hingehe! So ähnlich ging es mir auch beim NRC alias Nike Running Club. Da bin ich auch seit Ewigkeiten angemeldet, zu einem Lauf angetreten bin ich allerdings bis vor kurzem nicht (wenigstens muss ich dafür keine Beiträge zahlen). Es benötige eine kleine extrinsische Motivation, um an einem grauen, verregneten Montagabend meinen Hintern von der Couch und nach Berlin-Mitte zu begeben. Genauer gesagt in das sportmedizinische Institut der Humboldt Uni. Dort veranstaltete der NRC eine Einführungsveranstaltung, damit man den Club kennenlernen konnte. Falls Du Dich jetzt fragst, was mich gelockt hat: nicht nur die angekündigte Goodie-Bag mit T-Shirt & Gymbag (neudeutsch für Turnbeutel), sondern vor allem auch die Anwesenheit Paul Schmidts. Ja genau, DER Paul Schmidt: Läufer, Blogger, Arzt, Sachse.

Club or Cult?

Die Geschenke gab’s tatsächlich schon beim Einlass. Kurzer, unangenehmer „Ritaaaa, wat kosten die Kondome?“-Moment: „Sorry, L finde ich nicht, vielleicht passt Dir ja auch die M.“, während um mich rum die S-Größen reißenden Absatz finden. Drin ist schon der Beamer aufgebaut, aha, jetzt kommt die Vorlesung, man ist ja schließlich im Hörsaal. Nach einem kurzen Image-Film stellt sich der Obercoach als „Euer Jan“ vor – ich finde erst später aus, dass es sich hier um Jan Fitschen handelt, Europasieger 2006 im 10.000-Meter-Lauf und 28(!)-facher Deutscher Meister. Unser Jan zählt nun die „7 Wahrheiten“ auf, darunter zum Beispiel „Wir glauben an dich, selbst wenn du es nicht tust“ oder „Jeder Lauf zählt.“ Es ist bei jedem Verein so, dass man erstmal die Grundsätze oder Regeln festlegt, dennoch kann ich mir den kleinen Gedanken „Ist ja wie in einer Sekte hier“ nicht verkneifen. Klar, schließlich ist die Marke auch nach der Siegesgöttin benannt und die nennt ja auch einen Tempel auf der Akropolis ihr Eigen! Naja, noch bin ich freiwillig hier.

Was ist der Nike Running Club?

Anschließend geht’s ans Eingemachte und man erfährt, was der NRC ist, wer alles dabei ist und was man überhaupt damit erreichen will. Um es kurz zusammenzufassen: Der Nike Running Club ist eine globale Organisation, die in mehreren Großstädten der Welt aktiv ist. So erzählt uns Obercoach Jan mit glänzenden Augen vom NRC New York, bei dem schonmal an die 400 Läufer bei einem Run teilnehmen. Die Message: Wenn Du NRC-Mitglied wirst, bist Du sofort Teil einer großen, weltweiten Community. Der NRC bietet neben regelmäßigen Laufveranstaltungen vor allem Know How im Bereich Sport und Sportmedizin. So kannst Du Dir – kostenlos – eine Privat-Session mit einem Coach buchen, der Deine sportliche Aktivität analysiert und mit Dir gemeinsam evaluiert, wie Du noch besser werden kannst. Sicherlich wird dabei auch die ein oder andere Schuh-Empfehlung genannt, schließlich ist man ein Sportartikelhersteller und keine Charity.

Vorstellung der Coaches & Pacemaker

„Hi I am Noah and I am the coolest coach“ – ein gesundes Selbstbewusstsein hat der sportliche Typ der sich da grade vorstellt. Das scheint einer aus der ganz schnellen Truppe zu sein. Die weiteren Coaches und Pacemaker präsentieren sich als eine angenehme Mischung aus Rampensäuen und bescheidenen Leistungssportlern. Braucht man beides, um alle Mitglieder abzuholen, kennt man ja noch aus Club Med Zeiten. Bei jedem Run gibt es vier Gruppen mit verschiedenen Geschwindigkeiten, durch die Pacemaker soll auch sichergestellt werden, dass die Geschwindigkeiten eingehalten werden – das bekommen andere Laufgruppen nicht immer so gut hin.

Dr. Schmidt, übernehmen Sie!

Der nicht ganz so heimliche Star der Veranstaltung, Paul Schmidt, erzählt nun etwas über diverse Aspekte des Laufens, wie zum Beispiel die Soziologie oder Psychologie des Laufens. Ich schweife gedanklich etwas ab (in seinem Arztkittel sieht er tatsächlich viel schmächtiger aus als auf dem Track!) und bin erst wieder mental anwesend als er den Unterschied zwischen Sucht und Bindung erklärt. Interessant, denn vielleicht kennst Du es ja auch, dass manche Leute in Deinem Umfeld Deine Leidenschaft für’s Laufen als ungesunde Sucht kritisieren? Mit Paul’s Erklärung könnte ich jetzt medizinisch fundiert kontern – leider hab ich nicht mehr alles im Kopf, vielleicht erzählt er uns das ja an dieser Stelle irgendwann nochmal? Übrigens: Am Ende des Vortrags entledigt sich Herr Schmidt seines Arztkittels und steht in Laufklamotten vor uns. In einem kurzen Moment blitzt da ein Sixpack hervor – das „schmächtig“ nehme ich also hiermit offiziell zurück.

Laufen mit dem NRC

Genug der Theorie, jetzt geht’s auf’s harte Pflaster. Gelaufen wird in vier verschiedenen Gruppen, wobei die schnellsten eine Pace von 5:00-5:30 haben und die langsamste „sexy“ Pace bei 7:00 liegt. Ich ordne mich in Gruppe 3 ein, arbeite mich aber irgendwann in Gruppe 2 vor. Nicht, weil ich so scharf drauf bin, schnell zu laufen, sondern weil mich das mitfahrende Musik-Fahrrad (die „motivierenden Beats“ in Nike-Sprech) in den Wahnsinn treibt. Ich hab keine Ahnung, was genau wir da hören, aber ich hab das Gefühl, dass mich der Harlem Shake höchstpersönlich verfolgt. Netterweise hat die Pacemakerin meiner Gruppe Erbarmen und wirft ihre eigene Musik an: BRAVO Hits, geiler Scheiss! Nach 3 Kilometern Stopp im Regierungsviertel: Fotopause. Anweisung mit Posen („jetzt alle mal voll k.o., jetzt voll happy“), die neuen weißen RUNNER Shirts werde im nächtlichen Berlin in Szene gesetzt. Noch ein Kilometer und wir sind zurück auf Anfang, es wird noch gemeinsam gedehnt und der Schlachtruf geübt. Haben sie ganz gut hingekriegt, man fühlt sich tatsächlich schon als Teil einer Gemeinschaft.

Nike Running Club Fazit

Der NRC bietet viel Know How, eine globale Community und auch Special Events, wie zum Beispiel einen Lauf zur Zeitumstellung im eigens dafür gemieteten Stadion. Das große Plus ist die Qualität der Experten, deren Rat man als NRC-Mitglied kostenlos suchen kann. Du musst Dir natürlich bewusst sein, dass Du als Teilnehmer wiederum Werbung für den NRC machst, bzw. Teil der Marketingstrategie bist. Wenn Du das nicht möchtest, dann bist Du in einer unabhängigen, nicht markengebundenen Laufgruppe wahrscheinlich besser aufgehoben. Ein kleiner Nachteil zum Beispiel gegenüber #boostberlin (über die ich an anderer Stelle berichte) ist die Konzentration auf den Ku’damm bzw. auf Berlin-Mitte als Lauftreffpunkt, Du musst hier also eventuell weitere Wege auf Dich nehmen, je nachdem wo Du wohnst. Dafür hingegen kannst Du weltweit in anderen Städten wie zum Beispiel London, New York, Rom oder Paris unkompliziert Anschluss finden und einfach mitlaufen. Als Neuling fühlte ich mich beim NRC freundlich willkommen geheißen und ich habe auf jeden Fall Lust, demnächst mal wieder mitzulaufen. Hoffentlich allerdings mit einer anderen Playlist.

Nike Running Club Berlin, Website hier.

#Runningpower, Blog von Paul Schmidt, Website hier.

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