Laufen in Thessaloniki

Laufen in Thessaloniki ist immer eine gute Idee. Gut, vielleicht nicht immer – zu gewissen Tageszeiten muss man sich durch flanierende Locals und Kreuzfahrtschiff-Landausflügler durchschlängeln, oder aber man hat mit der erbarmungslosen Mittagshitze zu kämpfen. Rafft man sich allerdings frühmorgens auf, wird man nicht nur mit einer kilometerlangen, freien Laufbahn belohnt, sondern auch mit einem spektakulären Sonnenaufgang, der sich im Thermaischen Golf widerspiegelt. Mit ganz viel Glück ist die Luft so klar, dass man den Olymp, den Sitz der Götter mit seinen schneebedeckten Spitzen sieht. Meistens liegt über der Stadt und dem Meer allerdings ein Dunst, der alles wie in einem Instagram-Filter erscheinen lässt.

Wo läuft man hier?

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Die beste Laufstrecke ist die dreieinhalb Kilometer lange Uferpromenade, die Paralia. Ein guter Ausgangspunkt ist der weiße Turm, das Wahrzeichen der Stadt. Von hier läuft man in Richtung Osten, bis man zum Konzerthaus kommt. Das beste: alle paar Meter steht hier ein Trinkwasserspender, man muss also auch bei höheren Temperaturen keine Angst vor Dehydrierung haben. Auf dem Rückweg kann man noch erweitern bis zum Hafen, und, wenn man möchte, einen Schlenker in die Stadt machen.

Wem ebenerdig zu langweilig ist, der kann sich nach Norden orientieren, da geht’s auf den Berg hinauf, entlang der mittelalterlichen Stadtmauern. Es wird hier zuweilen ganz schön steil, man sollte also keine Angst vor Höhenmetern haben – statt Läufern trifft man hier auch eher Radfahrer und den Sightseeing-Bus. Wer es bis zum Trigoniou Turm schafft, wird mit der schönsten Aussicht über ganz Thessaloniki belohnt.

Zu welcher Tageszeit läuft man am besten?

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Am frühen Morgen, wenn die Luft noch frisch und klar ist und die Sonne über den Bergen aufgeht. Die vielen Mitläufer erzeugen eine sportliche Atmosphäre und die Temperaturen sind noch angenehm. Selbst Anfang Oktober hatte wir Nachmittags Temperaturen von bis zu 28 Grad, weshalb frühes Aufstehen ganz schön klug war. Abends sind immer noch viele Läufer unterwegs, aber eben so viele Touristengruppen, die vom jeweils anliegenden Kreuzfahrtschiff ausgespuckt werden, die örtlich ansässige Jugend beim Abhängen und ein paar Partytouristen. Die breite Uferpromenade ist dann brechend voll und man muss zuweilen Slalom laufen.

Was gibt es hier zu sehen?

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Die erst vor ein paar Jahren renovierte Paralia ist schon eine Sehenswürdigkeit für sich. Kunst im öffentlichen Raum, wie die „Regenschirme“ von Giorgios Zoggolopoulos und die Reiterstatue Alexanders des Großen säumen ebenso den Weg wie das Wahrzeichen der Stadt, der Weiße Turm. NAm westlichen Ende der Uferpromenade, gleich beim Kreuzfahrtschiffhafen, haben sich das Fotografiemuseum und das Cinema Museum angesiedelt.

Wen trifft man hier?

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Auf der Uferpromenade trifft man so ziemlich jeden Läufer aus Thessaloniki. Er ist „the place to run“ und vor allem frühmorgens betätigt man sich hier sportlich. Neben Läufern gibt es hier auch jede Menge Flaneure. Vor allem ältere Herrschaften treffen sich hier, um den Boardwalk im Jogginganzug schnellen Schrittes auf und ab zu gehen, und dabei die aktuellen Ereignisse zu diskutieren. Das vermute ich zumindest, denn mein Griechisch ist noch ausbaufähig.

Sowohl morgens als auch abends sitzen die Angler auf ihrem Hocker und werfen die Leinen aus, um eine Brasse oder Makrele aus dem Meer zu holen.

Wen man auch immer wieder antrifft, das sind große, streunende Hunde. Die sind aber, anders als man sich das vielleicht vorstellen mag, absolut freundlich unterwegs. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie trotz ihrer Herrchen- bzw. Frauchenlosigkeit ein recht gechilltes Leben führen: die meiste Zeit des Tages in der Sonne liegen und irgendwann von Hundefreunden gefüttert und gestriegelt werden.

Wohin danach?

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Thessaloniki ist die absolute Kaffee-Stadt, auf der anderen Straßenseite reiht sich ein Café an das andere. Nach einem anstrengenden Lauf tut ein Epresso Freddo, das heimliche Nationalgetränk der Griechen, sicherlich gut. Wer Säfte mag sollte unbedingt bei Join The Juice vorbeischauen, neben einer Vielzahl an Saftvariationen kann man sich sogar seinen eigenen Juice zusammenstellen, und das zum absolut fairen Preis von um die drei Euro. Thessaloniki ist ebenso berühmt für sein Gebäck. Hefeteigteilchen, Sesamkringel und vor allem Blätterteiggebäck sorgen für den Kohlenhydratenachschub. Wenn’s ein bisschen herzhafter sein darf: Der Modiano Markt istnicht weit. Hier gibt es unzählige kleine Restaurants, Imbisse und Tavernen. Wo es besonders lecker schmeckt, erfährt Ihr demnächst in meinem Thessaloniki-Guide.

Laufevents in Thessaloniki

Einmal jährlich im Mai findet die UA Run Thessaloniki City Challenge statt. Den Thessaloniki Halbmarathon Mitte Oktober werde ich leider knapp verpassen, schade, denn der Nachtlauf wäre sicher ein besonderes Erlebnis gewesen. Das Hauptevent ist jedoch der International Marathon Alexander the Great, der immer um Ostern rum stattfindet. Einen kleinen Eindruck davon, wie es dort zugeht, erhältst Du im Laufbericht von Laufwelt.

Ich hoffe, mein Thessaloniki Laufguide hat Euch Lust darauf gemacht, die zweitgrößte Stadt Griechenlands mal selbst in Laufschuhen zu entdecken. Wart Ihr selbst schonmal in Thessaloniki oder woanders in Griechenland laufen oder habt Ihr sogar schonmal an einem Laufevent dort teilgenommen? Dann erzählt es mir in den Kommentaren, ich bin gespannt!

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