Laufbericht 10. AOK Müggelsee Halbmarathon (10k)

„Know you limits“ oder auch: Vernünftig sein, langsam machen, auf den Körper hören. Beim 10-Kilometer-Lauf am Müggelsee kam ich dabei an meine Grenzen.

Irgendwas ist ja immer. Immer! So war ich Ende August noch ganz zufrieden mit den ersten 100 Kilometern meines Halbmarathon-Trainingsplans und guter Dinge, dass ich am 16. Oktober den Halbmarathon um den Müggelsee laufen würde. Im September kam dann der große Einbruch. Einmal ne Woche krank, dann ein paar Tage Urlaub (allerdings mit Laufeinheit) und schon war ich aus dem Rhythmus raus. Und so kam es, dass der September mit gerade Mal sieben Läufen und insgesamt sage und schreibe 52 Kilometern einer meiner schwächsten Laufmonate bis dato ist. Man könnte zu meiner Verteidigung anbringen, dass ich extrem viel Fahrrad gefahren bin (dabei sogar fast alle 42 Kilometer während des Berlin Marathons) und dass ich einfach verdammt viel zu tun hatte. Aber, wen will ich hier eigentlich verarschen…wir haben ja alle viel zu tun, und das hat mich in der Vergangenheit ja auch nicht vom Laufen abgehalten. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Läuferkrise wieder mal so packen könnte, aber nun war ich mittendrin. Im Oktober ging es dann wieder etwas aufwärts, Laufen war endlich wieder mehr Freude als Pflicht, perfekt fit für den Great 10k war ich dann aber natürlich doch nicht. Ich musste dabei auch ganz schön kämpfen, doch mit Willenskraft und ständigem Blick auf die Garmin wurde dann daraus tatsächlich ein Sub60, auch wenn das Ergebnis „verdammt knappe 59:34“ lautete. So sehr ich danach euphorisiert war: mir war klar, dass ich eine Woche später kaum fähig sein würde, einen Halbmarathon zu laufen.
Netterweise waren die Veranstalter verständnisvoll und flexibel und schrieben mich stattdessen für den 10-Kilometer-Lauf um.

Raceday: Dieses Kribbeln im Bauch…

Ich bin in so einer Whats-App-Motivationsgruppe (ich verstehe gut, falls Ihr jetzt die Augenbrauen hochzieht, dachte ich früher ja auch immer. Aber bringt wirklich was) und da schrieb unlängst eine der anderen Läuferinnen: „Wir sind Event-süchtig“. Man sollte mit dem Ausdruck „Sucht“ vorsichtig umgehen, und ich versuche tatsächlich, den beliebten Hashtag #runningaddict nicht zu verwenden. Bagatellisierung und so. Aber natürlich hat sie irgendwie Recht. Dieses ganz besondere Gefühl, dass heute „Raceday“ ist – das Frühstück, dass du dir wohlüberlegt zubereitest, das hektische Einfädeln des Zeitmessung-Chips, die Kleiderfrage („schön oder praktisch?“), der Ausraster beim Anbringen der Startnummer…all das trägt zu diesem ganz besonderen Kribbeln bei, dass sich bei mir an einem Wettkampftag einstellt. Kurz gesagt: die Ruhe selbst bin ich nicht. Deshalb ist es umso besser, wenn alles um mich rum so perfekt funktioniert wie nur möglich. Funktioniert meistens ganz gut. Außer, es ist Raceday und Du musst an den Müggelsee. Mit dem Bus. Ich will mich jetzt nicht groß darüber aufregen, denn es sind ja doch alle Jahre wieder die gleichen Szenen. Immer wieder ist das Geschubse an der Bushaltestelle in Köpenick mindestens genauso groß wie das Gedrängel am Samstag Nachmittag auf dem Kudamm. Immer wieder gibt es drei oder vier Leute die meinen, dass die Bustüren doch ganz bestimmt auch dann schließen, wenn sie konsequent im Türbereich stehen bleiben, auch wenn der Busfahrer nicht müde wird, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Dieses Jahr war unter den Bus-Insassen noch ein ganz lustiger Vogel dabei, der meinte, genug Autorität zu haben, um alle, die nicht bereits um 10 Uhr, sondern erst um 10:45 Uhr starten (wir uncoolen 10k-Läufer eben), mal eben aus dem Bus zu werfen. Spoiler alert: Hatte er nicht. Die stärkste Reaktion, die er daraufhin erhielt, war ein fremdschämendes Auf-den-Boden-Blicken seiner Mitfahrer. Zwar hatte die BVG an diesem Tag wohl doch nicht genügend Sonderbusse eingesetzt, zumindest aber in der Wahl dieses einen Busfahrers klug gehandelt. Berliner Schnauze, na klar, aber auf die erdenklich netteste Art. Da blieb dem Vogel letztendlich nix anderes übrig als sein Schnäbelchen zu halten. Es sind dann wohl tatsächlich doch ein paar Läufer zu spät zum Halbmarathon-Start gekommen – die durften dann aber nachstarten.

Der Lauf: Es hätte so schön werden können mit uns

Nebel, Temperatur um die 10 Grad, perfekte Laufbedingungen. Sehr pünktlich ging’s los und dann gleich auch schon ab in den Wald. Auf den ersten zwei Kilometern blieb einem nicht viel übrig, als mal wieder ein bisschen an seinem Zen zu arbeiten. Falls man nicht zu denjenigen gehörte, die sich früh genug an die Spitze des Starblocks gestellt haben, war man eben eine ganze Weile im dichten Läufergewusel. Ein paar Eifrige haben versucht, sich links am Weg vorbeizuschlängeln, nicht immer eine gute Idee, denn eine Läuferin ist böse gestürzt, kein Wunder bei den ganzen Wurzeln und nassem Laub. Irgendwann kamen einem dann auch schon die Schnellsten entgegen, es wurde also noch ein bisschen gemütlicher. So richtig schön frei laufen konnte ich eigentlich erst ab Kilometer vier. Und dann #liefsbeimir, im wahrsten Sinne des Wortes. Erst im Nachhinein hatte ich gemerkt (Laufuhr sei Dank), dass ich hier um einige schneller gelaufen bin, als beim Great 10k die Woche davor. Und das viel entspannter und unangestrengter – lag’s an der guten Waldluft? Von mir aus hätte alles genau so weitergehen können, das wäre wohl eine neue Bestzeit geworden. Und dann passierte das, was ich bisher immer nur bei anderen gelesen hatte und worunter ich mir nie so richtig etwas vorstellen konnte: die Wade machte zu. Ein plötzlicher, heftiger Schmerz in der rechten Wade, der es mir fast unmöglich machte, weiterzulaufen. Eine kurze Dehnungspause, danach konnte ich die letzten zwei Kilometer mehr recht als schlecht ins Ziel trotten. Immerhin bin ich noch gelaufen und nicht gegangen, der Pace nach hätte ich aber auch letzteres tun können. Aber wenn ich eines in der letzten Zeit gelernt habe dann ist es, auf meinen Körper zu hören.

Ergebnis und gute Vorsätze

Kaum zu glauben, aber trotz des langsamen Starts und der letzten zwei miesen Kilometer lag meine Zeit noch unter dem Great 10k: 59 Minuten und 16 Sekunden. Vielleicht war das schnelle Laufen dann einfach zu viel für meine Beine, auch wenn es sich, die meiste Zeit zumindest, überhaupt nicht danach angefühlt hatte. Jetzt heißt es aber erstmal: eine Woche Laufpause. Vor allem aber, endlich, endlich richtig mit dem Krafttraining anzufangen. Ich weiß, das habe ich schon oft gesagt, jetzt meine ich es aber tatsächlich mal ernst. Das Fitnesstudio und ich, wir werden jetzt Freunde. Naja, oder zumindest gute Bekannte.

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