Kämpfen oder aufhören? Wann es sinnvoll ist, einen Lauf abzubrechen.

© Boost the Mietz

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Alles schien perfekt. Ein sonniger Sonntag Ende September, der Himmel über Berlin war so blau wie noch nie. Läuferin und Bloggerin „Mietz“ alias Judith freute sich auf ihren 4. Marathon, vielleicht war ja sogar eine neue Bestzeit drin, gut genug vorbereitet war sie ja. Mit dem Ausfall ihrer Laufuhr direkt am Start begann das „Drama“, wie sie es selbst nennt, was letztendlich dazu führte, dass sie den 43. Berlin Marathon, den sie so gerne laufen wollte, abbrechenn musste. Mietz erzählt uns heute, wie es dazu kam, dass sie sich eingestehen musste: Ich lauf‘ diesen Marathon nicht zu Ende. Und warum sie dem nächsten Lauf trotzdem optimistisch entgegensieht.

Mit welchem Gefühl bist Du an den Start gegangen?

Ich ging mit einem super Gefühl an den Start. Man kann sagen, dass ich bestens vorbereitet war. Besser als bei meinen 3 Marathons davor. Ich hatte genug lange Läufe in den Beinen, davon auch je einen 30er, 32er und 35km Lauf in einer recht guten Pace. In der Vorbereitung bin ich Bestzeiten auf alle Unterdistanzen gelaufen und hatte daher hohe Erwartungen an mich selbst. Meine Marathonbestzeit stammt noch von 2013 und die wollte ich wirklich deutlich unterbieten. Mein Ziel war unter 4h zu laufen und damit ca 30min schneller zu sein als noch vor 2 Jahren!

Denkst Du, Deine Vorbereitung war ausreichend?

Ja, meine Vorbereitung war ausreichend. Natürlich kann man immer mehr machen und anders trainieren, aber ich war doch zufrieden. Trainiert habe ich mit dem 4h Plan von Runners World. Es kam mal vor, dass unter der Woche ein lockerer Trainingslauf ausfiel, aber das war nicht allzu oft. Alle langen Einheiten und auch Tempoworkouts habe ich wie im Plan absolviert.

Was hättest Du im Nachhinein anders gemacht?

Mhh ehrlich gesagt? Gar nichts. Die Vorbereitung war gut. Ich war gut erholt. Meine mentale Verfassung war gut. Es war einfach Pech, dass an diesem Tag nichts so lief, wie es laufen sollte. Aber man kann nicht alles beeinflussen und das ist nun auch ein wichtiger Moment des Lernens für mich.

Wann hast Du gemerkt, es geht gar nicht mehr?

Schon kurz nach dem HM merkte ich dass mich ziemlich übel wurde. Das war ne neue Erfahrung für mich. Noch nie hatte ich beim Laufen Probleme mit dem Magen gehabt. Ein paar Kilometer konnte ich das Tempo noch halten, wurde dann aber doch deutlich langsamer und musste immer wieder gehen. So ab Kilometer 30 habe ich dann ans Aufgeben gedacht. 2km später bin ich dann ausgestiegen. Man muss hier aber auch sagen, dass der mentale Aspekt eine große Rolle spielt. Ich bin letztes Jahr auch schon einen sehr schlechten Marathon gelaufen und war danach lange krank. Diese Erfahrung hat mich eins gelehrt: Hör auf deinen Körper und wenn es dir schlecht geht: „Hör auf!“. Jemand anderes hätte vielleicht mehr gekämpft, aber Marathonlaufen kann und soll Spaß machen, zumindest in meiner Leistungsklasse!

Welche Gedanken gingen Dir durch den Kopf als Du abgebrochen hast?

Ich war unendlich traurig und habe mich fast schon geschämt vor meinen ganzen Freunden die noch auf der Strecke auf mich warteten. So viele waren gekommen…3 Kollegen aus dem Büro, meine Mutter, meine Oma, mein Stiefvater stand mit seiner Band in der Tauenzienstraße und noch viele andere Freunde vom Club der Töchter und #boostberlin und ich habs nichtmal bis dahin geschafft…. Das war schon sehr hart. Mein Freund war bei mir als ich ausgestiegen bin hat mich wieder zurück zum Start/Ziel – Bereich gebracht. Er war extra aus Österreich angereist um seine Mietze Bestzeit laufen zu sehen…Eigentlich macht mir das mehr zu schaffen, als der Ausstieg selbst.

Wie hast Du das bisher verdaut?

Direkt danach war ich schon sehr traurig und enttäuscht von mir. Mit etwas mehr Abstand konnte ich aber einsehen, dass es wirklich nur ein schlechter Tag war. Wäre der Marathon ne Woche später oder früher gewesen, wär es sicher gut gelaufen. Leider klappt das nur nicht immer so. Die Enttäuschung ist da natürlich umso größer, wenn man fokussiert 12 Wochen auf den einen Tag trainiert hat und es dann nicht so läuft wie gewünscht. Aber letztendlich bin ich nur ein Freizeitläufer und ich tue das, weil es mir Spaß macht und ich fit sein möchte. Es wird irgendwann wieder einen Marathon geben und dann werde ich gut durchlaufen 🙂

Und wie motivierst Du Dich weiter?

Die Motivation fällt mir nicht allzu schwer. Ich habe keine Zweifel, dass ich mein Ziel noch einen Marathon unter 4h zu finishen gut erreichen kann. Mein Saisonende habe ich nun allerdings verlegt, denn mit einem abgebrochenen Marathon in die Wettkampfpause zu gehen, ist dann doch zu deprimierend. Mitte November werde ich nochmal in Italien auf der Halbmarathondistanz starten und hoffentlich eine ganz gute Zeit hinlegen. Wenn nicht ist das auch ok. Denn ich bin glücklich, dass ich laufen kann und meinen Sport gefunden habe.

Fazit: Meiner Meinung nach hat Mietz alles genau richtig gemacht. Auch wenn die Enttäuschung zunächst groß war, gab es keine andere Wahl, als auf seinen eigenen Körper zu hören und ihn zu respektieren. Es gehört eine Menge Mut dazu und ich bewundere diesen sehr. Danke, liebe Mietz, für Deine Ehrlichkeit und dieses Interview!
Wer Mietzes Gedankengänge noch einmal genau erfahren möchte, der kann das in ihrem Blogeintrag nachlesen. Auch sonst lohnt sich ein Klick in den sehr motivierenden Blog von Mietz und ihrem Co-Autor Rehspeck.

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Foto mit freundlicher Genehmigung von Mietz.

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